Was tun bei Morbus Scheuermann?

Die Scheuermann-Erkrankung ist die häufigste Wirbelsäulenerkrankung im Jugendalter. Bei Jungen tritt die Erkrankung doppelt so häufig auf wie bei Mädchen. Krankheitsbeginn ist meist zwischen acht und vierzehn Jahren.

Die exakte Ursache für die Entwicklung der Scheuermann Krankheit ist leider noch immer nicht bekannt.

#Osteoporose im Jugendalter, Infektionen, hormonelle Störungen, Haltungsschwäche, starkes Körperwachstum, sowie eine schlechte Aufnahme und Verarbeitung von Nährstoffen gelten als beeinflussende Faktoren. Biomechanische Auffälligkeiten, wie zum Beispiel ein kürzeres Brustbein nehmen ebenfalls Einfluss auf die Krankheit. Morbus Scheuermann tritt familiär gehäuft auf.

Morbus Scheuermann – was ist das?

Morbus Scheuermann ist eine Entwicklungsstörung der Wirbelsäule. In der medizinischen Fachsprache wird auch von einer juvenilen Osteochondrose der Wirbelsäule gesprochen.

Die Erkrankung führt zu abnormaler Entwicklung der Brustwirbel. In manchen Fällen sind auch die Lendenwirbel betroffen. Die hintere Seite des Wirbelkörpers entwickelt sich meist normal und die Vorderseite wächst langsamer, beziehungsweise weniger. Dies führt zu einer abnormalen Form der Wirbelkörper, sogenannte Keilwirbel. Optisch verändert sich dadurch die Form der Wirbelsäule. In der medizinischen Fachsprache spricht man von einer verstärkten Kyphose.

 

Auf nebenstehendem Bild sehen Sie links eine Person mit einer normalen, physiologischen Krümmung der Wirbelsäule und normaler Wirbelbildung. Rechts dazu im Vergleich die Wirbelsäulenkrümmung und die Form der Wirbelkörper bei einer Person mit Morbus Scheuermann.

 

 

Zwischen der Bandscheibe und den Wirbeln kommt es ebenfalls zu Veränderungen. Bandscheibenmaterial drängt in die Wirbel. Diese werden auch als „Schmorl`sche Knoten“ bezeichnet und sind im Röntgenbild gut ersichtlich.

Symptome

Durch die vermehrte Kyphose der Brustwirbelsäule verändert sich die Statik und Beweglichkeit in allen Wirbelsäulenabschnitten. Vor allem das Rückbeugen, bzw. das Strecken der Wirbelsäule ist meist vermindert möglich.

Die Mehrheit der Betroffenen spüren während des Wachstums keine Beschwerden. Erst im Erwachsenenalter entstehen durch Überdehnung der Muskulatur und die Fehlbelastung der Bandscheiben und der anderen Wirbelsäulenabschnitte Probleme. Typischerweise verursacht die Erkrankung Schmerzen im Bereich der Brustwirbelsäule.

Die Schmerzen verstärken sich bei bestimmten Bewegungen. Vor allem Sportarten, die viel Drehung, Dehnung und Rückbeugen beinhalten, wie zum Beispiel Gymnastik, beeinflussen den Schmerz negativ.

Die oben beschriebenen Schmorl`schen Knoten bestehen zwar ein Leben lang, verursachen aber meist keine weiteren Probleme. Oft werden die Knoten erst bei Röntgenbildern, die aufgrund von anderen Rückenproblemen gemacht werden, zufällig entdeckt.

Was tun bei Morbus Scheuermann?

Nicht verwechseln sollte man Morbus Scheuermann mit einer Schwäche der stabilisierenden Haltemuskulatur, einer sogenannten Haltungsinsuffizienz bei Kindern und Jugendlichen.

Ein Röntgenbild reicht oft aus, um die typischen Anzeichen für Morbus Scheuermann festzustellen. Es können die Verformung der Wirbelkörper und Schmorl`sche Knoten erkannt werden. Ein MRI zeigt bei Bedarf noch weitere Details.

Korsett

Manchmal wird ein Korsett verordnet, um die Wirbelsäule so gut wie möglich in Streckung zu halten. Dies dient auch als Erinnerungshilfe für eine optimale Haltung und aktiviert die richtigen Muskeln. Bei zu häufigem Trage kann es aber auch zu einer Abschwächung der stabilisierenden Muskulatur kommen. Bitte halten Sie sich genau an die Vorgaben.

Operation

Nur in seltenen Fällen ist aufgrund einer starken Deformität der Wirbelkörper eine Operation nötig. Meist ist dies nur erforderlich, wenn der Krankheitsverlauf negativ ist. Das bedeutet, dass die Krümmung stetig mehr wird.

Wie hilft die Physiotherapie bei Morbus Scheuermann?

Der Erkrankungsverlauf kann in verschiedene Phasen eingeteilt werden, in denen die Physiotherapie bestimmte Ziele verfolgt.

Phase 1: Schmerzlinderung und Schutz

Die meisten Patienten kommen erst zur Therapie, wenn bereits Schmerzen bestehen. Eigentlich ist der Schmerz erst ein Folgesymptom, das sich aufgrund der Verformung und Bewegungseinschränkung entwickelt. Das erste Ziel ist aber natürlich, den Schmerz zu lindern. Die beste Methode hierfür ist die Entzündungsreduktion mit Kälteanwendungen und Techniken oder Übungen zur Entlastung der entzündeten Strukturen. Zusätzlich kann Ihr Therapeut Elektrotherapie, Dry-needling oder Kinesiotaping anwenden. In dieser Phase sollten Sie schwere Belastungen auf Ihre Brustwirbelsäule und starke Rumpfbeugeübungen wie Sit-ups vermeiden. Unterstützend verordnet Ihnen Ihr Arzt entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente.

Phase 2: Erarbeitung der normalen Beweglichkeit, Kraftaufbau

Sobald sich die Entzündung und der Schmerz verbessert haben, wird Ihr Physiotherapeut das Hauptaugenmerk auf die Erreichung der bestmöglichen Beweglichkeit legen. Wichtig ist, möglichst viel Streckung der Wirbelsäule zu erreichen. Hierfür wird natürlich ausreichend Kontrolle und Kraft der stabilisierenden Rückenmuskulatur benötigt. Ihr Physiotherapeut wird die Aktivierung der Muskulatur kontrollieren und geeignete Übungen auswählen.

Phase 3: Rückgewinnung der vollen Funktion

Es gibt keinen Grund, warum Patienten mit Morbus Bechterew nicht alle Aktivitäten des Alltags und die Lieblingssportarten ausführen könnten. Allerdings ist die Begleitung durch einen Physiotherapeuten sinnvoll. So kann der langsame (Wieder-)Einstieg in den Sport optimal ablaufen.

Phase 4: Funktionsstörungen vorbeugen

Die Aufrechterhaltung von ausreichend Beweglichkeit des Rückens ist wichtig, um möglichen Beschwerden in Zukunft vorzubeugen. Ausreichend Rumpfstabilität ermöglicht eine bessere Position und Kontrolle über die Wirbelkörper und sollte deshalb stetig trainiert werden.

Optimalerweise sollte natürlich bereits im Jugendalter, bei Auftreten der Erkrankung, ein Physiotherapeut aufgesucht werden. So kann Problemen im Erwachsenenalter vorgebeugt werden. Bei den meisten Patienten kann der Schmerz bei Morbus Scheuermann gut behandelt werden und es treten keine weiteren Probleme mit der Brustwirbelsäule auf. Einige Betroffene weisen jedoch bleibend ein reduziertes Bewegungsausmass auf. Falls die Krümmung der Brustwirbelsäule zu stark ist, kann dies weiterführend zu einem Ungleichgewicht der Wirbelsäulenstatik und der umliegenden Muskulatur führen.

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