Bevor Sie das künstliche Kniegelenk in Betracht ziehen, sollten Sie alle konservativen Möglichkeiten ausgeschöpft haben. Vielfach können Einschränkungen und Schmerzen, die durch eine Kniearthrose verursacht werden, durch manuelle Therapie und aktives Training positiv beeinflusst werden. Sollte es dennoch zur Operation kommen, stehen die Chancen gut, dass Sie ein zufriedenstellendes Ergebnis erzielen. Die Prothesen halten bis zu 25 Jahre, müssen nur selten ersetzt werden und ermöglichen einen gewohnten Alltag. Der Weg dorthin hängt aber vom Operateur und auch vom stark vom Patienten ab.

Anatomie und Entstehung der Operationsindikation

Das Knie ist ein Dreh-Scharniergelenk, welches sich aus dem Oberschenkelknochen, der Kniescheibe und dem Schienbein zusammensetzt. Das Gelenk hat einen Knorpel, eine Kapsel und zusätzlich die Menisken (Innen- und Aussenmeniskus), welche als Stossdämpfer im Gelenk dienen. Bänder und Muskeln stabilisieren das Gelenk.

Fehl- oder Überlastungen des Knies, Fehlstellungen der Extremitäten oder traumatische Verletzungen können das Auftreten einer Arthrose im Kniegelenk erhöhen. Das zeigt, dass nicht nur die Älteren an arthrotischen Bedingungen leiden können. Auch bei jüngeren Menschen kann sich der Knorpel des Kniegelenks frühzeitig abbauen. Arthrose ist der häufigste Grund für eine Erneuerung des körpereigenen Gelenkes. Sind die Schmerzen im Knie sehr stark und die Funktion gestört, kann ein künstliches Gelenk Erleichterung bringen.

Künstliches Gelenk: wann und wie?

Der Einsatz einer Prothese muss mit einem Spezialisten geklärt werden. Mittels einem Patientengespräch und einer körperlichen Untersuchung wird beurteilt, ob es notwendig ist, das Gelenk zu ersetzen. Bei anfänglichen Schmerzen und Einschränkungen wird zunächst versucht, mithilfe von konservativen Massnahmen wie Physiotherapie die Beschwerden zu lindern. Meist wird erst nach einigen Monaten entschieden, dass es zu einer Operation kommt. Massive Bewegungseinschränkungen, starke immer wiederkehrende Schmerzen, die den Alltag beeinträchtigen, das Alter und Risiken im Beruf sind Indikatoren für einen Gelenksersatz.

Sollten Sie sich zusammen mit dem Arzt für ein neues Gelenk entscheiden, werden Sie zuvor über die Operation, mögliche Risiken und die Nachbehandlung aufgeklärt.

Der Ersatz des Kniegelenks hat drei Modelle zur Auswahl, die sich in Form, Grösse und Variante unterscheiden. Zum einem besteht die Möglichkeit zum einseitigen Oberflächenersatz, zum kompletten (auch Totalendoprothese, kurz TEP genannt) oder vollständigen Oberflächenersatz mit einer achsgeführten Knieprothese. Die künstlichen Gelenke bestehen aus Metall, Kunststoff oder Keramik. Die Prothese wird im eigenen Knochen verankert und je nach Beschaffenheit des Gelenks zementiert, zementfrei oder anhand einer Kombination von beidem (Hybrid-Prothese) befestigt. Der Arzt wird das Modell individuell auf Ihr Gelenk abstimmen.

Mögliche Komplikation nach dem Eingriff

 Eine Operation bringt immer gewisse Risiken mit, über die Sie informiert werden sollten. Allerdings können diese mithilfe von Vorsichtsmassnahmen geringgehalten werden. Dazu gehören die Thrombosephrophylaxe. Dafür erhalten Sie entweder Tabletten oder Spritzen und zusätzlich Strümpfe. Für die Narbe und mögliche Verklebungen und Verwachsungen im Gewebe gibt es spezielle Massagegriffe, die Sie ganz einfach von dem Physiotherapeuten erlernen und selbstständig daheim etwa vier Wochen nach der Operation durchführen können. Es besteht ein geringes Risiko, dass sich das neue Gelenk entzündet oder Nerven und Gefässe während der Operation verletzt werden. Das Auskugeln des Kniegelenks ist selten.

Zusammenfassend lässt sich daraus aber die Notwendigkeit der Nachbehandlung mittels Physiotherapie erschliessen, damit Sie Ihre Lebensqualität aufrechterhalten können.

Was tun nach der Operation?

Häufig bleiben die Betroffenen nur etwa eine Woche im Spital. Sofern es die Wundheilung erlaubt, dürfen Sie in eine ambulante Rehabilitation wechseln. Es besteht aber auch die Möglichkeit, in eine stationäre Rehabilitationsklinik zu gehen. Letzteres können Sie mit der Krankenkasse und dem Arzt besprechen. Im Spital dürfen Sie normalerweise am zweiten Tag zusammen mit einem Physiotherapeuten und zwei Gehstöcken die ersten Schritte machen. Sie werden lernen wie man mit den Stöcken geht, richtig Treppe steigt und welche Vorsichtsmassnahmen in den ersten Wochen wichtig sind. Das Gelenk muss sich erst in das Gewebe einfinden und die Operationswunde heilen.

Wie hilft die Physiotherapie?

In der ambulanten Physiotherapie – wir empfehlen zwei Mal die Woche für mindestens drei Monate – stehen verschiedene Behandlungsziele an:

  • Schmerzen und Schwellungen können mithilfe von Lymphdrainage, passives Bewegen der Gelenke und aktive leichte Bewegungsübungen bis zur Schmerzgrenze gelindert werden. Die Beugung sollte nach ca. 12 Wochen mindestens 100° sein.
  • Verklebtes Gewebe in der Narbengegend und verkrampfte Muskeln kann der Physiotherapeut durch spezielle Massagegriffe lösen. Ein leicht taubes Gefühl um die Narbe kann nach der Operation bestehen bleiben. Das wird Sie im Alltag aber nicht einschränken.
  • Das Gangbild wird verbessert und Fehlhaltungen korrigiert, um nach wenigen Wochen die Stöcke zu entwöhnen. Je nach Operation beträgt die Stockzeit bis zu sechs Wochen.
  • Die Muskulatur, insbesondere der unteren Extremität, wird mithilfe von speziellen Übungen und bei Bedarf mit Geräten trainiert. Es besteht die Möglichkeit bei Abschluss der Physiotherapie in ein Medizinisches Training zu wechseln.
  • Wichtig ist auch das Gleichgewichtstraining. Damit kann die Wahrnehmung widerhergestellt werden, welche durch das künstliche Gelenk verloren gegangen ist. Stürze können so vorgebeugt und ein sicheres Gehen garantiert werden.

Die Physiotherapie wird Sie nach dem operativen Eingriff in der ambulanten Rehabilitation begleiten. Sollten Sie Schwierigkeiten haben, selbst zu uns in die Praxis zu kommen, bieten wir Ihnen die Domizilbehandlung an. Ziel der Therapie ist die Wiederaufnahme alltäglicher Arbeiten im möglichst schmerzfreien Zustand. Gut geeignete Sportarten mit einem künstlichen Kniegelenk sind Velofahren, Nordic Walking oder Wassergymnastik. Geniessen Sie also weiterhin Ihr aktives Leben!