Was tun bei Skoliose?

Eine Skoliose beschreibt eine Fehlstellung der Wirbelsäule, bei der einzelne Wirbelkörper verdreht sind und zu einer Verkrümmung einzelner Abschnitte oder sogar der ganzen Wirbelsäule führt. Es gibt verschieden Formen der Skoliose, je nachdem wie viele Krümmungen vorhanden sind. Der Prozess ist ein langwieriger. Meistens wird sie erst im jugendlichen Alter erkannt.

Verschiedene Arten einer Skoliose

Entstehung der Krankheit

Es kann sein, dass sich die Skoliose vermehrt im jugendlichen Alter aufgrund von angeborenen Fehlbildungen einzelner Wirbelkörper bildet. Erbliche Veranlagungen können ein Auslöser sein. Erkrankungen des Muskel- oder Störungen des Nervensystems können in der Folge skoliotische Krümmungen verursachen. Nach schwerwiegenden Gewalteinwirkungen, wie z.B. Autounfällen oder Stürzen aus der Höhe, können die Wirbelkörper verdrehen und wiederum eine Skoliose entstehen lassen. Zu erwähnen ist aber, dass zu 90% eine idiopathische Skoliose vorliegt.  Das bedeutet, dass die Ursache unbekannt ist.

Einteilung und Diagnosestellung

Skoliosen können in allen Lebensjahren auftreten. Man unterscheidet dabei zwischen einer:

– infantilen Skoliose (0-3 Jahre)

– juvenilen (4-10 Jahre)

– adoleszenten (ab dem 11. Lebensjahr bis zum Abschluss der Pubertät).

Häufig sind es die Eltern, die bei ihren Kindern ein Hervorstehen eines Schulterblatts, einen plötzlichen Schiefstand der Schultern oder des Beckens, einen Unterschied der Taillen oder einen asymmetrischen Brustkorb erkennen. Schmerzen haben die Betroffenen meistens keine. Häufig leiden sie insbesondere in der Pubertät psychisch unter der Krankheit, da sie die Fehlstellungen als Missbildung empfinden. Ist die Skoliose allerdings stark ausgeprägt, können Funktionen von lebenswichtigen Organen wie Lunge und Herz und demnach die Atmung beeinträchtigt sein.

Zu dem Zeitpunkt sollte eine ärztliche Abklärung stattfinden. Es wird ein Röntgenbild und eine Winkelmessung durchgeführt. Ausserdem wird ein spezieller Test gemacht, bei dem sich der Betroffene mit dem Oberkörper nach vorne neigt, um allenfalls einen Höhenunterschied der Rippen seitlich der Wirbelsäule zu sehen. Somit kann das Ausmass einer möglichen Skoliose frühzeitig erkannt werden.

Mädchen, meist im pubertierenden Alter, leiden bis zu sieben Mal häufiger an dieser Fehlstellung als Jungen.

Skoliose – was tun?

Sobald die Skoliose diagnostiziert wird, kann ein individueller Behandlungsplan erstellt werden. Leichte Skoliosen fangen häufig mit der Physiotherapie an. Diese zieht sich meistens über Jahre hinweg. Die mehr ausgeprägten Skoliosen werden zusätzlich durch ein speziell angefertigtes Korsett behandelt. Dabei ist wichtig, dass es konsequent und mindestens 22 Stunden pro Tag getragen wird. Ist der Krümmungswinkel noch grösser, müsste eine operative Versorgung in Betracht gezogen werden. Möglicherweise werden die betroffenen Wirbelkörper versteift. Der zuständige Arzt wird die Betroffenen und dessen Eltern über die Details genauestens aufklären.

Wie hilft die Physiotherapie bei Skoliose?

          Haltungsübung

Bei der Physiotherapie ist es wichtig, dass sowohl konservativ als auch nach einer Operation die Muskeln des Rückens und Bauchs trainiert werden.

Dies fördert eine gesunde und aufrechte Haltung, kann eine Krümmung der Wirbelsäule reduzieren und einer Verstärkung ebendieser vorbeugen. Insbesondere nach einer Operation müssen für den nichtversteiften Wirbelsäulenabschnitt Übungen erlernt werden. Denn gerade die nichtversteiften Abschnitte müssen mehr Belastung tragen und werden über einen längeren Zeitraum überlastet. Dabei werden Rückenkraftübungen, wie auf dem Bild unten zu sehen ist, durchgeführt.

Kräftigung der Rückenmuskulatur

In den Behandlungsplan miteinbezogen werden sollte auch der Rippenbogen, der durch die Krümmung in seiner Bewegung eingeschränkt sein kann und den natürlichen Atmungsvorgang stört. Die Hebe- und Senkbewegung des Rippenbogens ist für die Atmung sehr wichtig. Auch fehlerhaft angewöhnte Sitz- und Stehhaltungen sollten korrigiert werden. Es gibt spezielle Therapien, benannt nach dessen Erfinder. Zum Beispiel die sogenannte Schroth Therapie. Dabei wird anhand eines dreidimensionalen Ansatzes therapiert, da auch die Skoliose meist eine dreidimensionale Krümmung aufweist. Ziel dabei ist die Aufrichtung der Wirbelsäule, um eine weitere Verkrümmung zu verhindern. Dabei werden spezielle Übungen erlernt. Diese sollen helfen, die verkürzten Muskelgruppen zu dehnen und die zu schwachen Muskeln zu kräftigen. Die Hilfsmittel dafür sind vielfältig und reichen von einer Sprossenwand über den Gymnastikball, bis hin zu Holzstäben oder Reissäcke.

Selbstverständlich können die Betroffenen auch in ihrer Freizeit etwas für einen gesunden Rücken machen. Wichtig ist immer, dass man aktiv bleibt. Folgende Sportarten eigenen sich:

– Nordic Walking und Wandern

– Inlineskaten und Schlittschuhlaufen

– Velofahren

– Schwimmen und Wassergymnastik

– Reiten

– Klettern

– therapeutisches Yoga und Pilates

Eine Skoliose kann, wenn sie frühzeitig erkannt wird, ohne einen operativen Eingriff mithilfe der Physiotherapie gut behandelt werden. Es ist wichtig, dass die Eltern bei Kindern und Jugendlichen über das Krankheitsbild Bescheid wissen, damit gewisse Alltagssituationen anders angegangen und wichtige Heimübungen trainiert werden. Wir im Physiozentrum klären Sie gerne ausführlicher auf und helfen dabei Ihrem Kind einen normalen Alltag zu bewahren.

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