Was tun bei Kalkschulter?

Einleitung

Haben Sie plötzlich Schmerzen bei täglicher Hausarbeit, wie zum Beispiel Fenster putzen oder bei anderen Tätigkeiten, bei denen sich Ihr Arm oberhalb des Kopfes befindet? Schlafen Sie schlecht, weil das Seitenliegen auf der Schulter fast unmöglich ist? Fehlt Ihnen die Kraft im Arm und tut Ihnen der Nacken weh? Sie können sich aber nicht erinnern, dass Sie gestürzt sind oder sich verhoben haben? Es könnte vielleicht bedeuten, dass sich in Ihrem Schultergelenk Kalk befindet.

Entstehung

Kalkeinlagerungen im Schultergelenk bei Patienten ohne erkennbare Krankheitszeichen betrifft ca. 10 Prozent der Bevölkerung, meistens 30-50-Jährige, überwiegend Frauen. Ein besonderes Risiko haben Leute, die unter Stoffwechselstörungen wie Diabetes leiden. Man nennt die Erkrankung auch Tendinosus calcarea. Die Ursache lässt sich bis heute nicht eindeutig klären. Risikofaktoren sind anhaltende Überbelastung, schulterlastige Sportarten oder vorherige Verletzungen. Diagnostizierbar ist eine Kalkschulter durch ein Röntgenbild, welches einen weissen Schatten im Bild zeigt. Eine andere Möglichkeit zur Abklärung ist die Untersuchung mittels Ultraschall.

Was bedeutet Kalk im Gelenk?

Genauer gesagt beschreibt die Kalkschulter die Ansammlung von Kalziumkristallen, die sich in die Sehnen des Gelenks einlagern und sich später zu Kalkknoten ausbilden. Daraus kann sich auch eine Entzündung der Sehnen, Entzündung des Schleimbeutels oder eine Einklemmung der Weichteile zwischen Oberarmkopf und Schulterdach durch Druck des Kalks auf die Sehnen entwickeln.

Kalk zwischen Schulterdach und Oberarmkopf

Wie verläuft die Krankheit?

Normalerweise heilt die Krankheit von selbst. Sie durchläuft vier Phasen:

  1. Durch einen ständigen von aussen oder innen verursachten Druck im Gewebe entsteht eine Minderdurchblutung, welche zur Verschlechterung des Stoffwechsels und Mangel an Sauerstoff führt. Zu wenig Sauerstoff ist schädlich für das Gewebe und es wandelt sich in Faserknorpel um. Dieser benötigt weniger Sauerstoff, ist dafür aber anfälliger für Kalkablagerungen. Zu diesem Zeitpunkt verspürt der Betroffene meist keine Schmerzen.
  2. Die zweite Phase beschreibt letztendlich die Verkalkung: die veränderte, betroffene Sehne lagert immer mehr Kalk ein, sie verdickt und kann zu einer Entzündung ihrerseits oder des Schleimbeutels führen.
  3. Es kommt zur Auflösung des Kalks. Die Selbstheilung findet statt, indem neue Blutgefässe in das betroffene Gebiet einwachsen. Jetzt kommt es zu starken Schmerzen, da die Kalkkristalle aufgelöst werden. Diese können zwischenzeitlich Reizungen im Gelenk auslösen, bis sie schlussendlich komplett aufgelöst sind.
  4. Zum Schluss wird der Kalk allmählich vollständig aufgelöst und neues Kollagen gebildet. Dieses ist Teil des Bindegewebes, macht die Sehnen stärker und somit die Schulter stabiler.

Bei höchstens 16% der Betroffenen tritt die Kalkschulter ein weiteres Mal auf.

Was tun?

Meist wird die Kalkschulter erst in der dritten Phase diagnostiziert, da der Kalk aufgrund von geringen Beschwerden meist nicht früher erkannt wird. Sehr selten muss der Kalk operativ mithilfe einer Arthroskopie entfernt werden. Normalerweise wird sie mit konservativen Massnahmen behandelt, also ohne Operation.

In der schmerzhaften Entzündungsphase verschreibt der Arzt häufig Schmerzmedikamente (schmerzstillende Analgetika und nicht-steroidale, entzündungshemmende Antirheumatika). Bei sehr starken, anhaltenden Schmerzen kann der Arzt eine Injektion verabreichen. Die Injektion beinhaltet Schmerzmittel, meist Kortison, kombiniert mit örtlichen Betäubungsmitteln. Zu beachten ist, dass eine zu häufige Einnahme von Kortison zu Rissen in den Sehnen führen kann. Zeitlich begrenzt wirkt es jedoch schnell und effektiv. Diabetiker sollten vorsichtig sein, da die Einnahme zu starken Schwankungen des Blutzuckerspiegels führen kann und sie somit infektionsanfälliger sind. Selten bekommt man bei einer Kalkschulter Bandage zur Entlastung des Schultergelenks.

Wie hilft Physiotherapie bei Kalkschulter?

Stosswellentherapie, hier gezeigt am Ellenbogengelenk

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten, welche wir auch im Physiozentrum für sie anbieten. Die Dauer der Behandlung umfasst ca. 3-6 Monate. Dazu gehören die Schmerzlinderung, die Entzündungshemmung und die Beweglichkeitsverbesserung des Gelenks. Der Physiotherapeut kann dabei helfen die Durchblutung zu steigern und den Kalk abzubauen. Neben physikalischen Anwendungen wie Ultraschall oder Kälte wird vor allem durch manuelle Techniken dieses Ziel erreicht. Im Physiozentrum bieten wir zudem die Stosswellentherapie an. Die Schallwellen lassen Risse im Kalkdepot entstehen. Sie bringt eine 30-70-prozentige Verbesserung und kann dabei helfen den Kalk durch eine Zertrümmerung schneller abzubauen. Die Schmerzen können sich zu diesem Zeitpunkt etwas erhöhen, da es zu einer erneuten Entzündung kommen kann und der Abbau allgemein schmerzhaft ist. Später steht die Kräftigung der geschwächten Muskeln und Sehnen auf dem Programm. Dabei geht es vor allem darum, die Zentrierung des Oberarmkopfes im Gelenk wiederherzustellen. Dadurch wird der Raum unter dem Schulterdach erweitert und der Druck auf die Sehnen verringert. Dazu kann zum Beispiel ein Theraband (Gummiband) oder auch Kurzhanteln verwendet werden.

Fazit 

Glücklicherweise besteht die Möglichkeit, dass sich der Kalk im Gelenk zurückbilden kann. Der Prozess kann zwar einige Monate dauern, aber mithilfe der Physiotherapie lassen sich die Schmerzen und Einschränkungen möglichst gering halten. Besuchen Sie uns noch heute, um einen Termin zu vereinbaren und ihrem Problem entgegen zu treten.

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