Die Häufigkeit dieser Verletzung wird in der Literatur ganz unterschiedlich beschrieben. Grundsätzlich sprechen Autoren aber davon, dass bei 4% bis sogar 26% aller Patienten, die sich einer Schulteroperation unterziehen, eine gerissene Gelenklippe (=Labrumläsion) gefunden wird. In diesem Artikel beschreiben wir Ihnen was das Labrum der Schulter ist, wie das aussieht, welche Schädigungen möglich sind und welche Therapie angewandt wird.

Anatomie

Die Schulter ist ein durch Muskeln, Bänder und Sehnen fixiertes Kugelgelenk. Das Schultergelenk ist sehr beweglich und komplex aufgebaut. Dementsprechend anfällig ist dieses Gelenk auch für Verletzungen.

Das Labrum besteht aus Fasergewebe und ist im unteren Teil fest mit dem Knochen der Gelenkpfanne verbunden. Im oberen Teil ist es beweglich. Das Labrum geht jeweils direkt in die Gelenkkapsel und die schultergelenksumgebenden Sehnen und Bänder über.

Das Labrum ist  die „Gelenklippe“, eine wulstige Umrahmung der Gelenkpfanne. Es sorgt für eine Vergrösserung der Gelenkfläche und die Vertiefung der Gelenkpfanne. Dadurch ergibt sich eine bessere Zentrierung und Stabilisierung des Schultergelenks.

Am oberen, beweglichen Teil des Labrumansatzes befindet sich der Ansatz der langen Bizepssehne.

In diesem Bild sind die Gelenkpartner gut ersichtlich. Dadurch sollen Sie einen guten Einblick in den Aufbau der Schulter bekommen. Das Labrum ist hier nicht abgebildet. Bilder, auf denen das Labrum ersichtlich ist, finden Sie weiter unten.

 

Wie entsteht eine Labrumläsion?

Ein Sturz auf den ausgestreckten Arm kann das Labrum beschädigen. Auch das schnelle Heben einer schweren Last könnte eine Ursache sein.

Sich stetig wiederholende Bewegungen die das Labrum belasten, können ebenfalls zu dieser Verletzung führen. Ganz besonders gefährdet sind hier Wurfsportler. Hier ist häufig der hintere Teil der Kapsel verkürzt und somit werden andere Teile der Schulter mehr belastet. Es kommt dadurch ständig zu kleineren Verletzungen, welche über einen längeren Zeitraum zu grösseren Verletzungen oder eben zu Rissen führen kann. Mehr Information hierzu finden Sie im Artikel Werferschulter.

Beschwerden

Betroffene geben meist folgende Beschwerden an:

  • Tiefer Schmerz im Bereich des Schultergelenks
  • Klickendes oder schnappendes Geräusch tief im Gelenk
  • Krafttraining oder Wurfsportarten verschlimmern die Beschwerden
  • Schmerzen treten häufig abends oder am Tag nach dem Sport auf
  • Weniger Leistungsfähigkeit im Sport, z.B. bei Würfen
  • Instabilitätsgefühl
  • „Painful arc“ (Nähere Informationen hierzu finden Sie auch im Artikel zu Impingement)

Einteilung Labrumläsionen

Je nach Grösse und Lokalisation unterscheidet man verschiedene Arten einer Labrumverletzung. Die beiden häufigsten Einteilungen sind aber folgende:

1.   SLAP-Läsion

SLAP steht für die Lokalisation der Verletzung: „Superiores Labrum von anterior nach posterior“. Das bedeutet, dass ein Riss im „oberen Labrum, von vorne nach hinten“ zu finden ist.

2.   Bankart-Läsion mit Labrumverletzung vorne-unten

Die Bankart- Läsion bezeichnet das teilweise oder vollständige Abreissen des Labrums im unteren, vorderen Bereich. Diese Verletzung entsteht häufig aufgrund einer Schultergelenksluxation, also dem „Auskugeln der Schulter“.

Ist auch das hintere Labrum abgerissen, spricht man von einer „reversed- Bankart- Läsion“. Manchmal bricht auch ein Teil vom Gelenkpfannenrand ab.

Die Versorgung ist ähnlich wie bei der SLAP-Läsion. Zusätzlich wird (wenn nötig) in einer Operation der abgebrochene Teil des Gelenkpfannenrandes fixiert.

Labrumläsion – was tun?

Sind die Beschwerden nicht allzu stark, wird meist ein konservativer Behandlungsversuch mittels Physiotherapie gestartet. Es sollen auf alle Fälle 6-10 Wochen Therapie abgewartet werden. Tritt keine Besserung auf, kann eine Operation durchgeführt werden. Je nach Ausmass/Grösse der Verletzung, Alter und Sportlichkeit des Patienten wird entschieden, ob eine Operation sinnvoll ist.

Bei schwerwiegenden Beschwerden oder je nach Ort der Verletzung, ist eine Operation auf alle Fälle anzuraten. Die Vorgehensweise bei der Operation ist abhängig von der Art der Verletzung. In einer Operation kann beispielsweise das Labrum mit Nahtankern wieder fixiert werden. Wie das aussieht, ist auf dem untenstehendem Bild ersichtlich.

Nach der Operation erfolgt (wieder) eine Behandlung mittels Physiotherapie.

Wie hilft die Physiotherapie bei einer Labrumläsion?

Nach einer Operation gibt es abhängig von der Art der Labrumverletzung bestimmte Vorgaben, wie weit das Schultergelenk bewegt werden darf. Diese Bewegungen führt anfangs Ihr Physiotherapeut passiv durch.

Zusätzlich werden meist spezielle Schienen und Bandagen von Ihrem Operateur vorgeschrieben, die das Schultergelenk anfangs in einer ruhigen Position halten sollen.

Nach Abklingen der ersten Wundheilungsphase, der Entzündungsphase, startet der aktive Bewegungsaufbau. Hier hält sich Ihr Physiotherapeut bezüglich Startzeitpunkt und Bewegungsausmass genau an die Vorgaben des Operateurs.

Überkopf- und Kontaktsportarten, wie Volleyball oder Fussball sollten frühestens nach vier Monaten wieder gestartet werden. Ihr Physiotherapeut wird gewisse Tests durchführen, um Ihnen das „OK“ geben zu können.

Grundsätzlich beinhaltet die Physiotherapie aber folgende, wichtige Inhalte:

  • Patientenaufklärung: Ihr Physiotherapeut erklärt Ihnen genau was Sie machen sollen, dürfen und was besser nicht. Ausserdem werden alle Ihre offenen Fragen gerne beantwortet.
  • Reduktion von Schmerzen: Entzündungshemmenden Techniken, wie z.B. Ultraschall, Lockerung der Weichteile usw. können Ihre Schmerzen rasch reduzieren.
  • Verbesserung der Beweglichkeit: Passive und aktive Bewegungen mit und später ohne Unterstützung sind wichtige Bestandteile der Therapie. Sie sollen die Schulter wieder vollständig bewegen können.
  • Aufbau der Kraft: Mit und ohne Geräte führt Ihr Therapeut mit Ihnen Übungen durch und zeigt Ihnen auch was Sie zuhause machen können.
  • Koordinationstraining: Die Verbesserung der Gelenkfunktion und der Bewegungsqualität steht bereits am Anfang im Mittelpunkt der Behandlung.
  • Ausdauertraining: Ihre Schulter soll alltägliche Anforderungen gut schaffen.