Beschwerdefrei am Arbeitsplatz

Geschäftsfrau auf einem Stuhl sitzend mit Rücken- und Nackenschmerzen

Kopfweh vom Job am Schreibtisch oder Rückenweh von der Arbeit am Fliessband – wir alle kennen die Krankmacher am Arbeitsplatz. Physiotherapeutin Anna Gabriel erklärt, wie es zu diesen Problemen kommt und mit welchen typischen Beschwerden sich viele herumschlagen.

Wie Sie dank verschiedenen Übungen Beschwerden vorbeugen oder lindern können, sehen Sie in den Videos am Ende des Artikels.


Anna, Beschwerden oder gar Schmerzen nach einem Arbeitstag gehören bei vielen zum Alltag. Wie kommt es dazu?

Das grösste Problem sind statische Arbeitshaltungen. Das heisst, dass die arbeitende Person einen grossen Teil der Arbeitszeit in der gleichen Position verbringt. Ich nenne ein typisches Beispiel: Ein Büroangestellter sitzt fast den ganzen Tag auf dem Bürostuhl, starrt in den PC und bewegt sich nur in seinen Arbeitspausen oder, um ab und zu was zu holen. Dass diese Einseitigkeit für den Körper negative Auswirkungen hat, liegt auf der Hand.

Das heisst konkret?

Zum einen werden gewisse Muskelgruppen wenig bis gar nicht bewegt. Zum anderen werden bestimmte Körperbereiche fast den ganzen Tag sehr stark beansprucht. Als Physiotherapeutin kann ich hier zum einen aufzeigen, wie man stark belastete Körperbereiche stärken kann. Zum anderen erkläre ich, wie man wenig bewegte Bereiche zwischendurch mobilisiert.

Was kann man aktiv tun, wenn man regelmässig nach der Arbeit Beschwerden hat?

Grundsätzlich sollen statische Haltungen sobald es geht unterbrochen werden. Dies kann beispielsweise durch Ausgleichsübungen passieren. Sitzt jemand den ganzen Tag auf dem Bürostuhl, sollte der Drucker so platziert werden, dass diese Person beim Ausdrucken regelmässig aufstehen und sich bewegen muss.

Diese Ausgleichsübungen sollten nicht erst dann gemacht werden, wenn die Schmerzen schon da sind, sondern am besten vorher in Arbeitsabläufe eingebaut werden. Wichtig ist hier natürlich auch, dass der Arbeitsplatz so ergonomisch, sprich körperschonend, wie möglich gestaltet wird.


Nenn uns ein paar typische Beispiele für Beschwerden, die am Arbeitsplatz entstehen können.

Kopfschmerzen

Viele meiner Patienten sitzen mehrere Stunden pro Tag am Computer und achten sich kaum auf eine körperschonende Haltung. Beispielsweise „wandert“ der Kopf im Laufe des Tages immer weiter nach vorne, dadurch gibt es mehr Zug auf die Nacken-Muskulatur. Bei Kopfschmerzen kann man:

  • auf eine gute Haltung achten (Kopf über der Wirbelsäule ausrichten, PC- Bildschirm richtig einstellen)
  • Ausgleichsübungen machen (Nacken bewegen, Schultern kreisen, Nackenmuskulatur dehnen)

Rückenschmerzen

Oftmals leiden diese Personen unter Rückenschmerzen, die bei der Arbeit entweder den ganzen Tag stehen oder sitzen und immer wieder die gleichen Bewegungen machen. Wer dazu noch schwer schleppen muss, fordert seinen Rücken zusätzlich. Bei Rückenschmerzen sind folgende Punkte wichtig:

  • Aufbau der tiefen, stabilisierenden Muskulatur
  • Bück- und Hebetraining mit Physiotherapeut (auf richtige Haltung achten)
  • Ausgleich zur Tätigkeit (Aktivierung der Muskeln bei langem Stehen, Wirbelsäule bewegen bei sitzender Tätigkeit, Sitzen oder Liegen in der Pause bei körperlicher Schwerstarbeit)

Entzündungen an Handgelenken/Armen

Diese Entzündungen entstehen durch sehr hohe Belastungen oder durch monotone, repetitive Arbeiten (z.B. durch das Bedienen von Maschinen). Auch durch Vibrationen oder Stossbelastung (z.B. bei der Arbeit mit dem Presslufthammer) können sich Arme oder Handgelenke entzünden. Hier ist folgendes wichtig:

  • auf die richtige Gelenkstellung achten (nicht zu sehr in Überstreckung gehen, sondern das Handgelenk eher „gerade“ halten)
  • auf ergonomische Arbeitsmittel umstellen

Geschwollene Beine

Unter geschwollenen Beinen leiden vor allem Personen, die ihre Beinmuskulatur wenig beanspruchen. Sei es durch stundenlanges Stehen an Ort oder durch stundenlanges Sitzen auf dem Bürostuhl. Durch die fehlende Pumpbewegung der Muskulatur bleibt das Blut in den unteren Extremitäten und die Beine fühlen sich schwer an, schwellen an oder schmerzen sogar. Meine Tipps hier:

  • die sitzende Tätigkeiten durch Aufstehen mehrmals unterbrechen
  • Fusswippe (siehe Video) anwenden, um die Muskulatur beim Stehen zu aktivieren

Fussbeschwerden

Um Fussbeschwerden zu vermeiden ist vor allem passendes Schuhwerk wichtig. Die Schuhe sollen dem Untergrund und einer allfälligen Fuss-Fehlstellung angepasst werden. Wer bei der Arbeit viel hin und her läuft oder lange steht, muss besonders auf seine Füsse achten. Wer darunter leidet, kann:

  • die Fussmuskulatur trainieren
  • gutes Schuhwerk und orthopädische Einlagen tragen
  • die Waden- und Fuss-Muskulatur dehnen
  • Ausgleichstätigkeiten machen
  • mit der Muskel-Waden-Pumpe den Stoffwechsel aktivieren

Diese Übungen empfehle ich denjenigen, die bei der Arbeit mehrheitlich sitzen.

Diese Übungen empfehle ich denjenigen, die bei der Arbeit mehrheitlich stehen.

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