Yoga als Therapie

Drei Frauen praktizieren Yoga in einem Fitnessstudio

Vom «Sonnengruss» über die «Krähe» bis zum «Lotussitz» – Yoga-Fans kennen all diese Begriffe bestens. Es sind Körperstellungen (sogenannte Asanas), die in Indien ihren Ursprung haben. Im Westen praktizieren wir Yoga oft weniger als philosophische Lehre (mit meditativen Elementen), sondern eher mit Körper-Übungen. Wenn die westliche Art von Yoga wiederum mit medizinischem Fachwissen kombiniert wird, spricht man von therapeutischem Yoga. Physiotherapeutin Flurina Huggenberger vom Physiozentrum Zürich hat sich darauf spezialisiert und beantwortet die wichtigsten Fragen.

Flurina, welches Feedback hörst du von Patienten, die therapeutisches Yoga ausprobieren?

Das Feedback reicht von «Ich fühle mich entspannt und stark» über «Ich habe Sachen in meinem Körper gespürt, die für mich vorher gar nicht existierten» bis zu «Kann ich das zu Hause auch machen?». Oft sind die Patienten motiviert, zu Hause weiter zu üben.

Findet therapeutisches Yoga in Gruppen statt, wie man es beispielsweise vom Hatha-Yoga kennt?

Es gibt Physiotherapeuten mit entsprechender Ausbildung, die das therapeutische Yoga als Gruppen-Therapie anbieten. Für Patienten mit komplexen Beschwerden empfehle ich, es einzeln oder in Kleingruppen zu praktizieren, sodass man auf Schmerzen oder Bewegungseinschränkungen intensiv eingehen kann. Das betrifft unter anderem Personen mit Mehrfach-Diagnosen, also beispielsweise jemanden, der sowohl unter Bluthochdruck als auch unter Rückenschmerzen leidet. Als dritte Variante können Yoga-Übungen in eine Physiotherapie-Sitzung integriert werden.

Wo unterscheidet sich denn therapeutisches und «normales» Yoga genau?

Die ausgeführten Übungen oder Techniken sind die Gleichen. Es wird jeweils mit dem gesamten Körper gearbeitet, die Atmung wird integriert und der Energiefluss im Körper stimuliert. Beim therapeutischen Yoga stehen allerdings die Beschwerden des Patienten im Fokus. Man achtet auf einen sinnvollen Ablauf der Übungen und hat ein konkretes Ziel vor Augen. Der Patient soll durch das Yoga beispielsweise das Gleichgewicht verbessern oder einen bestimmten Muskel kräftigen.

Ich nehme an, dass man bei jeder Art von Yoga die Beschwerden der Kursteilnehmer kennen sollte, oder?

Jeder Yoga-Lehrer sollte über allfällige Beschwerden informiert sein, das ist richtig. Leider ist das nicht immer der Fall, besonders auch bei grossen Gruppen. Beim therapeutischen Yoga muss man zwingend wissen, was das Ziel der Therapie sein soll. Ich persönlich schaue mir unter anderem Haltung, Muskulatur oder Beweglichkeit eines Patienten bewusst und genau an.

Was kann beim Yoga, auch dem «normalen», unter schlechter Anleitung im schlimmsten Fall passieren?

In vielen Yogastunden werden Asanas für Fortgeschrittene praktiziert, obschon einige Kursteilnehmer physisch noch gar nicht dafür bereit sind. Wie schon erwähnt kommt das Yoga aus Indien. Die Inder haben einen anderen Körperbau als die westliche Bevölkerung und gehen ganz anders durch den Alltag. Sie sitzen beispielsweise viel in der Hocke. Die dadurch erworbene Hüftöffnung ist für die korrekte Durchführung vieler Asanas wichtig. Wer beim Yoga in kurzer Zeit zu viel will, riskiert Fehlbelastungen oder gar Verletzungen.

An wen richtet sich das therapeutische Yoga konkret?

In erster Linie an alle, die neugierig darauf sind und aktiv etwas für Ihren Körper tun wollen. Es spielt keine Rolle, wie alt oder wie beweglich jemand ist. Da Yoga unter anderem das vegetative Nervensystem beeinflusst, kann es sich beispielsweise positiv auf die Regeneration einer Verletzung auswirken. Es eignet sich auch für Sportler, die lernen wollen, ihre Muskulatur bewusst zu entspannen.

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