Dos und Don’ts auf dem WC

Mann liest auf WC Zeitung

Haben Sie öfter Verstopfung oder können Sie die Blase nicht richtig entleeren? Oder leiden Sie im Gegenteil an Inkontinenz, an Beckenschmerzen oder an Senkungsproblematiken? Dann sollten Sie die richtigen Entspannungstechniken lernen und die Beckenboden-Muskulatur stärken.

Unsere Beckenboden-Spezialistinnen helfen Ihnen dabei gerne. Oft arbeiten wir mit Biofeedback, aber auch Elektrostimulation und Übungen im Turnsaal oder auf der Liege bewähren sich auf dem Weg zu funktionierenden Muskeln, einer guten Verdauung und gesunden Organen. Vor allem gehört auch viel Aufklärung dazu. Wussten Sie etwa, dass Sie bereits beim ganz gewöhnlich Gang zum WC viel falsch, oder eben richtig machen können?

Das richtige WC-Verhalten

Wenn Sie «richtig» aufs WC gehen, schonen Sie einerseits den Beckenboden. Das verhindert unter anderem, dass sich die Organe senken. Folge davon können ein Druckgefühl, Schmerzen und Trockenheit in der Scheide sein. Manchmal senken sich die Organe so weit ab, dass die Blase oder der Darm «abgeklemmt» werden und man nicht mehr richtig entleeren kann. Im Extremfall muss man die Organsenkungen operieren.

Andererseits sollten Blase und Darm stets vollständig geleert werden. Das ist wichtig damit man keine Verstopfung, Harnwegs-Infektion und Hämorrhoiden bekommt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Harnlösen und dem Stuhlgang:

Harnlassen

7 Mal pro Tag, in der Nacht nie oder einmal: So oft lösen wir durchschnittlich Wasser, ausser man hat Probleme oder eine Krankheit.

  • Wie viel trinken? Für eine normale Blasenfunktion sollte man pro Tag 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit aufnehmen.
  • Darf man es sich verklemmen? Ist die Blase voll, erhalten wir das Signal Harndrang und sollten bald ein WC aufsuchen. Der erste spürbare Harndrang ist allerdings nur eine Vorwarnung. Mithilfe unserer Schliessmuskeln können wir die Blasenentleerung gut auf etwas später verschieben.
  • Soll man pressen? Nein! Damit man vollständig entleeren kann, muss man den Beckenboden entspannen und den Urin frei laufen lassen. Die Blase ist ein Muskel und sorgt selbst für die Entleerung. Deshalb ist es nicht nötig, dass man mitpresst. Im Gegenteil: Mitpressen unterbricht die Entleerung. Ausserdem drückt es Blase, Gebärmutter sowie Enddarm (die Beckenorgane) zu sehr nach unten.
  • Ist Pippi-Stoppen sinnvoll? Nein, auch davon ist abzuraten. Unterbricht man das Wasserlösen ständig, kann es zu einer unvollständigen Entleerung kommen. Der Restharn kann zu Harnwegsinfekten führen oder das Wasserlösen in Zukunft erschweren.
  • Wie sitze ich richtig? Setzen Sie sich entspannt auf das WC, die Füsse flach am Boden, die Knie hüftbreit auseinander. Nehmen Sie sich Zeit. Richten Sie den Oberkörper auf oder lehnen Sie sich etwas nach vorne. Die Harnröhre kommt so in eine andere Stellung, was das Wasserlösen erleichtert.
  • Soll man den letzten Tropfen herauspressen? Lässt man den Urin entspannt laufen, bleibt im Normalfall kein Urin zurück. Sollte dies doch der Fall sein, kann man das Becken leicht vor- und zurückkippen.

Stuhlen

Dreimal am Tag bis dreimal pro Woche: Alles was in diesem Bereich liegt, ist noch völlig normal. Wenn Sie nicht jeden Tag stuhlen können, leiden Sie also nicht unbedingt an Verstopfung.

  • Soll ich den Stuhlgang erzwingen? Gehen Sie nur bei Stuhldrang aufs WC. Alles andere belastet den Enddarm und die Beckenboden-Muskulatur unnötig. Wenn Sie den Stuhlgang erzwingen, verkrampfen sich die Schliessmuskeln. Stattdessen sollten Sie sich entspannen, denn nur so wird der Darm entleert.
  • Muss ich mit Verstopfung rechnen, wenn ichs mir ein, zweimal verkniffen habe? Und sollte ich es dann «erzwingen»? Nein und Nein: Der Körper kann das Stuhlen problemlos einmal verkneifen. Danach sollte man wiederum nichts erzwingen: Der Körper signalisiert wenn er wieder so weit ist.
  • Wie viel Trinken und Essen? Wie die Blase braucht auch der Darm ausreichend Flüssigkeit, um normal funktionieren zu können. Mindestens 1,5 bis 2 Liter pro Tag sind also nötig. Genauso wichtig ist eine Ballaststoff-reiche Ernährung, verteilt über regelmässige Mahlzeiten. Das reguliert die Darmaktivität.
  • Wie sitze ich richtig?
    • Wie beim Wasserlösen ist eine entspannte Haltung auf dem WC mit festem Fusskontakt am Boden wichtig für eine effektive Entleerung: Setzen Sie sich eher auf den hinteren Teil des Beckenbodens und neigen Sie den Oberkörper etwas nach vorne. Stützen Sie die Arme auf den Oberschenkeln auf, wenn das zur Entspannung verhilft. Läuft es nicht wie gewünscht, können Sie auch ausprobieren, sich mit dem Rücken gegen die Wand zu lehnen.
    • Die Hüfte sollte mehr als 90 Grad gebeugt sein. Da das mit unseren Toiletten kaum möglich ist, ist es sinnvoll, sich einen Hocker unter die Füsse zu ziehen. So löst die Muskelschlinge der Beckenbodenmuskeln ihre Spannung. Sitzen wir hingegen zu aufrecht, kann der Stuhl nur mühsam passieren. In der Hocke stuhlen, wie es unsere Vorfahren in freier Natur taten, hatte also seine guten Gründe!

Fazit

Beim Harnlassen wie beim Stuhlen gilt also: Pressen, nie! Stattdessen sollten Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur entspannen. So braucht es gar keinen Druck von oben für eine vollständige Entleerung. Nehmen Sie sich genug Zeit auf dem WC, lassen Sie Kiefer und Lippen locker und atmen Sie ruhig. Statt pressen können Sie einen leichten Bauchdruck aufbauen und etwas mitschieben. Alles andere belastet unsere Gefässe, die Organe und den Beckenboden zu sehr.

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1 Kommentar

  • Heinz Dübendorfer sagt:

    Mindestens 3 Männer die wie ich eine Prostata-Operation hinter sich hatten, erzählten mir danach, dass sie von Anfang an „trocken“ waren. Bei mir war dies nicht der Fall, und allein diese Feststellung war für mich frustrierend. Auch die Motivation, zuhause fleissig Übungen zu trainieren litt im Rahmen einer ersten Therapie sicher ein Stück weit darunter. In einer weiteren Therapie kam ich in dieses Zentrum, wo ich mich erstens wohler fühle und inzwischen nach einer ersten Verordnung bereits gute Fortschritte feststellen kann. Dabei ist sicher auch mein eigenes Engagement mit verantwortlich, welches unverzichtbar ist. Mein Ziel ist es, das am Ende der Therapie mein Beckenboden seine Leistung wieder so bringt, dass das Inkontinenz-Problem restlos beseitigt ist und die Folgen von Krankheit und OP der Vergangenheit angehören . . .