MS-Patienten: Schadet Training?

2006 lancierte die Schweizerische Multiple eine Kampagne. Sie sollte die Schweizer Bevölkerung für MS sensibilisieren.

2006 lancierte die Schweizerische Multiple Sklerose Gesellschaft eine Kampagne. Sie sollte die Schweizer Bevölkerung für die Krankheit sensibilisieren.

Viele Multiple-Sklerose (MS)-Patienten sind wegen einer erhöhten oder reduzierten Muskelspannung körperlich eingeschränkt. Ist das Kleinhirn geschädigt, ist auch das Gleichgewicht eingeschränkt. MS-Patienten, die von diesen Symptomen betroffen sind, bewegen sich dementsprechend im Alltag weniger. Dies führt dazu, dass sie vermehrt an Osteoporose, Depression und Blutkreislauf-Erkrankungen leiden und oft sehr müde sind.

Lange Zeit nahm man an, dass körperliches Training die Symptome der MS – insbesondere die Müdigkeit – verschlechtert und bei temperaturempfindlichen Patienten den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst.

Dass dies ein Irrtum ist, ist nicht neu, und trotzdem ist es vielen Betroffenen nicht bewusst. MS-Patienten vertragen gezieltes Ausdauertraining also gut. Zusätzlich wirkt es aber positiv auf Müdigkeit, Lebensqualität, Stimmung und körperliche Leistungsfähigkeit. Dies belegen verschiedene Studien.1

Forscher haben darauffolgend unterschiedliche Trainingsformen auf körperliche Leistungsfähigkeit, MS-Symptomatik, Krankheitsfortlauf, Lebensqualität und Stimmung untersucht.2 Auf diesen Erkenntnissen aufbauend haben Expertengruppen und nationale MS-Gesellschaften Empfehlungen3 publiziert. Die darin empfohlene Dauer und Intensität des Trainings variieren allerdings stark. Dies, weil sie vom Behinderungsgrad und Trainingszustand abhängig sind. Jeder MS-Patient weist andere Symptome und Probleme auf – beim einen steht die fehlende Kraft im Vordergrund, beim anderen das fehlende Gleichgewicht. Fachliche Betreuung durch Neurologen und Physiotherapeuten vor und während dem Training ist deshalb besonders wichtig. Sobald der Patient gut instruiert ist, kann er jedoch auch zwei, drei Wochen alleine trainieren – bis wieder eine 1:1-Therapie stattfindet.

Die Folgen von MS sind unberechenbar und vielfältig: Sie reichen von Sehstörungen, Müdigkeit, Impotenz und Schmerzen bis hin zu Lähmungen und Bewegungs-unfähigkeit.

Die Folgen von MS sind unberechenbar und vielfältig: Sie reichen von Sehstörungen, Müdigkeit, Impotenz und Schmerzen bis hin zu Lähmungen und Bewegungsunfähigkeit.

Ausdauertraining:

Generell werden zwei bis drei Trainingseinheiten pro Woche mit einer Dauer von 10 bis 40 Minuten am Fahrrad-Ergometer, Crosstrainer oder Laufband (Gehen) empfohlen. Rennen, Rudern und Fahrradfahren ist nur bei MS-Patienten mit geringem Behinderungsgrad möglich. Die Intensität sollte zwischen 60 und 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz liegen. Nach zwei bis sechs Monaten können Intensität und Dauer gesteigert werden.

Krafttraining:

Besonders zu Beginn sollten Trainingsmaschinen den freien Gewichten vorgezogen werden. Für das Training zu Hause eignen sich elastische Bänder sowie Übungen, die das eigene Körpergewicht für das Krafttraining nutzen (Liegestütz, Kniebeugen et cetera). Das Trainingsprogramm sollte alle großen Muskelgruppen mit ein bis vier Trainingseinheiten zu je acht bis 15 Wiederholungen beinhalten. Mit der Zeit kann die Anzahl der Einheiten und der Wiederholungen gesteigert werden.

 

 Quellen:

1 Schapiro RT, Petajan JH, Kosich D. Role of cardiovascular fitness in multiple sclerosis: a pilot study. J neurol Rehabil 1988;2:43-49.

Petajan JH, Gappmaier E, White AT, Spencer MK et al. Impact of aerobic training on fitness and quality of life in multiple sclerosis. Ann Neurol 1996;39:432-441.

2 Dalgas U, Stenger E. Exercise and disease progression in multiple sclerosis: can exercise slow down the progression of multiple sclerosis? Ther Adv Neurol Disord 2012;5:81-95

Döring A, Pfueller CF, Paul F, Dörr J. Exercise in multiple sclerosis – an integral component of disease management.The EPMA Journal 2012;3:2.

Dalgas U, Ingemann-Hansen T, Stenager E. Physical Exercise and MS- Recommendations. The International MS Journal 2009;16:5-11.

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