Ja, auch Männer haben einen Beckenboden! Obwohl Beckenbodentraining vor allem in Zusammenhang mit Geburt und Schwangerschaft mittlerweile fast jeder Frau bekannt ist, wird dieses Thema bei Männern noch immer tabuisiert. Durch gezieltes Training für den Beckenboden kann ein etwaiger Harnverlust unter Kontrolle gebracht werden. Auch eine erektile Dysfunktion kann mit Hilfe von Physiotherapie behandelt werden.

Der Beckenboden schliesst den Bauchraum nach unten ab und besteht aus drei muskulären Schichten. Er dient im Wesentlichen zur Lagesicherung der Bauch- und Fortpflanzungsorgane. Er kann zu grossen Teilen willkürlich gesteuert und deshalb auch wie jeder andere Skelettmuskel trainiert werden. Der Beckenboden des Mannes unterscheidet sich von dem der Frau: Er ist anatomisch gesehen stabiler, besteht aus einem dichteren Muskelgewebe und muss ganz anderen Belastungen standhalten. Die Harnröhre ist beim Mann viel länger und hat mit der Prostata eine natürliche Bremse.

Hauptsächlich geht es bei der Beckenbodentherapie um die Harninkontinenz. Diese äussert sich in vielfältigen Beschwerden wie Nykturie (häufiges nächtliches Wasserlassen), Polakisurie (zu häufiges Wasserlassen in kleinen Mengen), Dysurie (erschwertes Wasserlassen), verstärkter Harndrang oder Harnverlust bei Belastung, wie Husten oder Sport. Auch eine abgeschwächte oder fehlende Erektion ist in der Therapie Thema.

Inkontinenz tritt vor allem nach Prostata-, Blasen-, und Darmoperationen oder bei der Bestrahlung von Prostatakrebs auf. Weitere mögliche Ursachen für Inkontinenz sind Traumata, organische Probleme, wie Herzinsuffizienz, Blasensteine oder Diabetes Mellitus sowie neurologische Diagnosen, zum Beispiel Schlaganfall.

Die physiotherapeutische Behandlung ist bei oben genannten Beschwerden, sowie vor- und nach Operationen der Prostata unbedingt zu empfehlen. Zu Beginn der Therapie wird je nach Beschwerdebild ein Befund erstellt. Gemeinsam arbeiten Patient und Therapeut am Therapieerfolg. Toiletten- und Alltagstipps, Entspannungstechniken, Atem- und Haltungsschulung, sowie Potenzberatung werden in der Therapie besprochen bzw. durchgeführt. Auch funktionelles Bauchmuskeltraining und Schwellkörpertraining, sowie die Kräftigung des Harnröhrenschliessmuskels werden zuerst gemeinsam geübt. Danach ist Eigeninitiative gefragt. Der Patient kann selbst deutlich zum Therapieerfolg beitragen. Zusätzlich wendet der Therapeut passive Techniken wie Lymphdrainage, Beckenmobilisation, Taping und Elektrotherapie an.