Den Fuss verdreht, umgeknickt, vertrampt – das ist schnell passiert und schmerzhaft. Aber die Chancen stehen gut, nach einem Umknicktrauma schnell wieder auf die Beine zu kommen. Eine funktionelle, adäquate Nachbehandlung ist aber in jedem Fall wichtig: 73% der Personen, die keine passende Therapie durchgeführt haben, verletzen sich nämlich immer wieder.

Wie hilft die Physiotherapie bei Umknicktrauma?

Die physiotherapeutische Behandlung zielt darauf ab, dass Sie sicher und so schnell wie möglich wieder gut im alltäglichen Leben zurechtkommen. In weiterer Folge ist natürlich wichtig, dass Sie wieder sportlich aktiv sein können und sich erneute Verletzungen und chronische Instabilitäten vermeiden lassen. Diese erhöhen nämlich die Chancen auf Arthrose im Sprunggelenk.

Ihr Therapeut oder Ihre Therapeutin passt die Intensität der Therapie an die Wundheilungsphasen an. Während in der Akutphase z.B. eher Strategien für den Alltag besprochen werden, wird bei den nächsten Terminen schon die kontrollierte Belastungssteigerung (Training) im Vordergrund stehen. Nach circa 4-8 Wochen (oder bei schwereren Verletzungen 8-12 Wochen) wird meist das Funktionslevel wie vor der Operation erreicht.

Umknicktrauma

Für die Therapie ist es wichtig, zwischen einer Zerrung der Strukturen, wie Bänder und Muskeln, oder einem kompletten Riss dieser zu unterscheiden. Am häufigsten, in 93% der Fälle, reisst das vordere, seitliche Aussenband. Patientinnen und Patienten mit dieser Verletzung können mit adäquater Nachbehandlung sehr gut wieder fit werden. Nur in 60% der Fälle reisst auch das hintere, seitliche Aussenband. Wenn zusätzlich auch Bandstrukturen des unteren Sprunggelenks oder die Syndesmose betroffen sind, wird die Rehabilitation langwieriger. Ebenso wenn auch Knochen im Fuss gebrochen sind – das ist aber nur bei 14% der Betroffenen der Fall.

Was tun bei Umknicktrauma?

Im Akutfall, direkt nach dem Trauma, galt früher die Regel PECH, also «Pause» (das heisst nicht weiter Sport betreiben), «Eis» (kühlende Umschläge oder Eisspray), «Compression» (ein Druckverband um z.B. Schwellung zu reduzieren) und «Hochlagern». Mittlerweile empfiehlt man nach aktuellem Stand der Wissenschaft PEACE and LOVE zum Management bei Weichteilverletzungen:

  • Protection: Vermeiden Sie schmerzhafte Bewegungen und Belastungen in den ersten Tagen nach der Verletzung
  • Elevation: Lagern Sie Ihr Bein so oft es geht hoch (höher als das Herz). Das klappt gut z.B. in Rückenlage. Das heisst aber keinesfalls, dass Sie ständig liegen sollen.
  • Avoid Anti-Inflammatories: Nehmen Sie wenn möglich keine entzündungshemmenden Medikamente, da diese die Wundheilung negativ beeinflussen können.
  • Compression: Tapes oder elastische Binden können die Schwellung reduzieren.
  • Education: Gut informierte Patientinnen und Patienten werden besser und schneller fit. Deshalb ist die Aufklärung in der Physiotherapie ein wichtiger Bestandteil.
  • Load: Später in der Rehabilitation ist dann eine gezielte Steigerung der Belastung unter Berücksichtigung der Schmerzen wichtig. Hören Sie auf die Signale des Körpers!
  • Optimism: Seien Sie zuversichtlich und selbstsicher – Sie schaffen das!
  • Vascularisation: Schmerzfreie körperliche Betätigung, die das Herz-Kreislaufsystem anregt, ist gut für die Wundheilung. Radfahren oder Schwimmen bietet sich hier gut an!
  • Exercise: Physiotherapie hilft dir dabei, wieder Kraft und Beweglichkeit mittels gezielter Übungen zu erlangen.

Allgemein ist die konservative Therapie der Operation überlegen. Vorteile sind z.B. die kürzere Rehabilitationszeit und weniger auftretende Komplikationen und Kosten. Eine Operation wird meist bei sehr starken Traumata (Grad 3) oder bei zusätzlichen Knochenbrüchen durchgeführt. Selbst bei starken Verletzungen (Grad 3) zeigen Studien, dass Patientinnen und Patienten nach einer physiotherapeutischen Behandlung  ebenso fit sind wie nach einer Operation.