Die Migräne ist die häufigste Kopfschmerzform, die zum Arztbesuch führt. Sie betrifft rund 10–15 % der Erwachsenen, am häufigsten zwischen dem 20. und 50. Lebensjahr. In dieser Lebensphase sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer. Bei Kindern leiden vor der Pubertät etwa 3–7 % an Migräne.
In der Schweiz zeigen aktuelle Daten aus spezialisierten Kopfschmerzzentren, dass Migräne für viele Betroffene eine deutliche Belastung darstellt – repräsentative Zahlen aus der Bevölkerung sind jedoch schwer zu erfassen.

Verschiedene Typen & Ausprägungen

Nicht jede Migräne verläuft gleich. Man unterscheidet verschiedene Formen:

  • Migräne ohne Aura – die häufigste Form (ca. 80–85 % aller Fälle).
  • Migräne mit Aura – begleitet von neurologischen Vorzeichen (z.B. Lichtblitze, Sehstörungen, Sensibilitätsveränderungen).
  • Menstruelle Migräne (hormonassoziiert) – Attacken im Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus; Veränderungen können auch während Schwangerschaft oder nach der Geburt auftreten.
  • Vestibuläre Migräne – hier stehen Schwindel, Benommenheit und Gleichgewichtsstörungen im Vordergrund. Kopfschmerzen können dabei fehlen.

Symptome & Phasen einer Attacke

Eine Migräneattacke kann in mehrere Phasen unterteilt sein – nicht alle Betroffenen durchlaufen jede Phase:

  1. Vorbotenphase (Prodromalphase) – Stunden bis zu 48 h vor dem Anfall; Symptome: Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Heisshunger, Nackenspannung.
  2. Aura-Phase (bei Migräne mit Aura) – 5–60 Minuten mit visuellen oder sensorischen Störungen.
  3. Kopfschmerzphase – pochender, oft einseitiger Schmerz, der sich bei Bewegung verstärkt; häufig begleitet von Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit. Viele ziehen sich zurück, um Reizen auszuweichen.
  4. Rückbildungs- bzw. Erholungsphase – die Beschwerden lassen nach, Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten oder Reizbarkeit können jedoch noch Stunden bis Tage anhalten.

Die Häufigkeit variiert: Manche haben nur wenige Attacken pro Jahr, andere mehrere pro Monat oder sogar wöchentliche Episoden.

Beginn & Einfluss von Hormonen

Migräne kann in verschiedenen Lebensphasen beginnen:

  • Oft treten die ersten Attacken in der Pubertät auf – parallel zu hormonellen Veränderungen.
  • Die höchste Prävalenz liegt bei Frauen im Alter zwischen 30 und 39 Jahren.
  • Nach der Menopause nehmen Häufigkeit und Intensität bei vielen ab.

Hormone spielen eine zentrale Rolle: Der Abfall des Östrogenspiegels, besonders kurz vor oder zu Beginn der Menstruation, erhöht das Risiko für Attacken. Studien zeigen eine 1,7- bis 2,5-fach höhere Anfallsrate in diesen Tagen.

Therapie unter neurologischer Begleitung

Migräne ist nicht heilbar, aber gut behandelbar. Ziel der Therapie ist es, Anfälle zu stoppen (akut), ihre Häufigkeit zu reduzieren (Prophylaxe) und Begleitfaktoren zu managen. Eine Behandlung sollte immer in Absprache mit einer Neurologin oder einem Neurologen erfolgen. Dazu gehören:

  • Medikamente (akut und prophylaktisch)
  • Migränetagebuch führen
  • Anpassungen des Lebensstils: Schlafhygiene, Stressmanagement
  • Physiotherapie, ggf. spezialisierte Therapie bei Schwindelsymptomen

Pathophysiologie

Während einer Migräneattacke werden Botenstoffe ausgeschüttet, die eine entzündungsähnliche Reaktion auslösen und die Erregbarkeit des Nervus trigeminus erhöhen. Dieser Nerv versorgt Gesicht, Kopf und Hirnhäute sensorisch.

Die Aura ist Ausdruck einer sich wellenförmig ausbreitenden Hemmung der Nervenzellen in der Grosshirnrinde.

Wichtig ist: Auch wenn Nackenschmerzen auftreten, entsteht die Migräne nicht durch muskuläre Verspannungen – diese sind Folge, nicht Ursache.

Wie hilft Physiotherapie bei Migräne?

Physiotherapie richtet sich nach aktuellen Leitlinien und konzentriert sich auf die Untersuchung der Hals- und Brustwirbelsäule, deren umliegende Strukturen sowie deren Funktionen (z. B. Beweglichkeit, Ausdauer, Stabilität der Muskulatur).

Die Ergebnisse werden im Zusammenhang mit der Migräne bewertet und individuell therapiert. Ein Erfolg lässt sich jedoch nicht vorhersagen. Ein wesentlicher Bestandteil ist die Aufklärung über Migräne und wirksame Verhaltensstrategien, die Häufigkeit und Intensität von Attacken senken können.

Weitere Themen in der Therapie sind:

  • Ausdauertraining
  • Kopfschmerztagebuch
  • Schlafhygiene
  • Stressregulation (z. B. am Wochenende oder vor/nach Ferien)
  • Achtsamkeit und Entspannungstechniken

Fazit

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung mit vielen Facetten. Eine fundierte Aufklärung und die richtige Kombination aus Therapie, Lebensstil und Selbstmanagement helfen Betroffenen, besser mit der Erkrankung umzugehen.

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