Was ist ein Hexenschuss?

Treten plötzlich Schmerzen im unteren Rückenbereich auf und können Sie sich nur mit grosser Mühe im Alltag bewegen? Dann könnte der Grund dafür «Hexenschuss» heissen. Meist tritt dieser akut nach einer Bewegung auf, wie beim Drehen des Oberkörpers wenn man z.B. den schweren Blumentopf verstellt. Die Folge ist: Wirbelkörpergelenke verhaken sich und die Muskeln verkrampfen. Es könnte aber auch sein, dass schon leichte Rückenschmerzen über einen längeren Zeitraum bestehen und sich durch eine falsche Bewegung plötzlich intensivieren.

Am meisten betroffen sind 30 bis 50-Jährige. Diverse Auswertungen zeigen, dass 60 bis 80% der Bevölkerung im Leben mindestens ein Mal an einem Hexenschuss leidet.

Welche Beschwerden deuten auf einen Hexenschuss hin?

Wie oben beschrieben treten die Schmerzen meistens im unteren Rücken auf. Manchmal zusätzlich im Gesäss, Oberschenkel oder der Leiste. Bewegungen sind kaum möglich, schmerzhaft und steif. Es können starke Verspannungen und Krämpfe auftreten. Verspüren Sie Taubheit oder Kribbeln in den Beinen, sollten sie sofort einen Arzt aufsuchen, um einen möglichen Bandscheibenvorfall ausschliessen zu können.

Die Beschwerden können bis zu einer Woche andauern. Es kann aber auch mehrere Wochen gehen – je nach Symptomatik, Ausmass, allgemeinem Gesundheitszustand und Therapie.

Wie kann es zu einem Hexenschuss kommen?

Zunächst kann eine schnelle, unkontrollierte Bewegung die Beschwerden auslösen. Fehlhaltungen/ -stellungen der Wirbelsäule, eine muskuläre Ungleichheit im Rücken-/ Rumpfbereich, schlechte Sitzgewohnheiten oder ein passiver Lebensstil können diese Problematik zusätzlich begünstigen. Auch Traumata im Kindesalter mit einhergehender Vorbelastung des Beckens und Kreuzbeins können sich im Alter bemerkbar machen und bei einer Bewegung das Fass zum Überlaufen bringen, sprich, einen Hexenschuss verursachen.

Wie finde ich heraus, ob ich einen Hexenschuss erlitten habe?

Der Arzt oder Therapeut wird Ihnen Fragen stellen wie…

  • Wie fühlen sich Ihre Schmerzen an?
  • Bei welchen Bewegungen ist der Schmerz am stärksten?
  • Wann ist der Schmerz das erste Mal aufgetreten?

Anschliessend wird er Sie körperlich untersuchen. MRTs, Ultraschall oder Röntgenbilder sind dann oft nicht mehr notwendig, zumal unnötige Strahlungen für den Körper vermieden werden sollten.

Was tun bei einem Hexenschuss? Physiotherapie?

Eine kurzzeitige Schonung von maximal drei Tagen ist indiziert, wenn die Beschwerden sehr stark sind. Das bedeutet nicht, dass Sie drei Tage lang im Bett liegen sollten. Im Gegenteil: Bewegung ist sehr wichtig. Meiden Sie lediglich das Heben von schweren Lasten, langes Liegen, Sitzen oder Stehen und wechseln Sie häufig Ihre Körperposition. Gehen Sie langsam und locker spazieren oder fahren Sie Velo. Generell sollten Sie in den ersten Tagen im Alltag nicht über Ihre Schmerzgrenze hinausgehen. Gegen die Muskelverspannungen können Sie Wärme in Form eines Kirschkernkissens, Salbe oder eines warmen Bades anwenden. Ausserdem können Ihnen folgende Übungen helfen:

Entlastungsübung für den unteren Rücken bei Hexenschuss

Legen Sie sich für einige Minuten auf den Rücken und winkeln sie die Beine an. Am besten legen Sie die Unterschenkel auf einen Stuhl, sodass die Beine rechtwinklig angehoben sind.

Entlastungsstellung für die Bandscheiben bei Hexenschuss

Legen Sie sich auf den Bauch und stützen Sie sich auf die Hände ab (Bild 1). Heben Sie den Oberkörper langsam zehn Mal hintereinander an (Bild 2). Wiederholen Sie dieses drei Mal. Falls ein Schmerz auftritt, sollten Sie die Übungen trotzdem durchführen. Gehen Sie aber nicht über die Schmerzgrenze.

Weitere Massnahmen/Tipps im Falle eines Hexenschusses

Zusammen mit einem Physiotherapeuten werden Sie einen Behandlungsplan erstellen. Dabei ist es wichtig, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern auch die Ursache zu beheben und präventiv zu arbeiten. Es werden folgende Massnahmen durchgeführt:

Massnahme 1

Zunächst spielt die Aufklärung eine grosse Rolle: bei einem Hexenschuss kommt es auf struktureller Ebene zu keinen Schäden bzw. Verletzungen. Es braucht mit Ihrer zusätzlichen Hilfe meist nur wenige Tage, bis es Ihnen wieder geht wie vorher.

Massnahme 2

Ausserdem schaut sich der Therapeut Ihre Körperhaltung und das Ausführen von gewissen Alltags- und Berufsaktivitäten an. Eine rückenschonende Ausführung kann viele Beschwerden reduzieren und vor allem verhindern.

Massnahme 3

Die Therapie ist überwiegend aktiv gesteuert. Verspannte Muskeln werden gedehnt und schwache gekräftigt. Ein spezielles Rücken-/Bauchtraining hilft Ihnen, dem Problem entgegenzuwirken. Auch im Alltag ist eine ausreichende Bewegung notwendig. Die Wirbelsäule braucht eine stetige Be- und Entlastung. Tipps für Aktivitäten: Ein gutes Mittel sind Trampolin-Springen zum Lockern und gleichzeitig Stärken des Halteapparats, Schwimmen, Velofahren, Yoga, Entspannungsübungen und eine Rückenschule.

Massnahme 4

Ein weiterer Aspekt, der bei bestehenden Beschwerden berücksichtigt werden sollte, ist die Ernährung. Der Mensch sollte sich ausgewogen und gesund ernähren sowie genügend Wasser pro Tag trinken.

Fazit

Am besten ist es, wenn Sie schon frühzeitig mit dem Vorbeugen von Rückenschmerzen beginnen, bevor es überhaupt zu einem Hexenschuss kommen kann. Dazu gehören zum Beispiel die richtige Sitzhaltung bei der Arbeit, die Ergonomie im Haushalt, die regelmässige Bewegung und das richtige Muskelkrafttraining.

Kommt es dann aber doch zu einem Hexenschuss, sollte dieser nach wenigen Tagen wieder abklingen. Falls die Beschwerden länger bestehen, empfehlen wir spätestens jetzt die Aufnahme der Physiotherapie, um ihr Beschwerdebild zu behandeln und eine Wiederkehr zu vermeiden.

Radiobeitrag: Was tun bei Hexenschuss?

Saskia Bohn erläutert im Interview Marlène Anderegg, wie sich Hexenschuss oder «Lumbago» bzw. „akute Lumbalgie“ anfühlt, wie man vorbeugen kann, wie Physiotherapie hilft und was Betroffene selber dagegen tun können.