Immer häufiger hören wir Aussagen wie: „Kinder und Jugendliche sind schwächer als frühere Generationen.“
Doch was bedeutet das eigentlich – und welche Folgen hat diese Entwicklung für die Gesundheit junger Menschen?
Der renommierte Sportwissenschaftler A. D. Faigenbaum beschäftigt sich seit Jahren mit dieser Frage. Seine Forschung zeigt: Nur etwa 20 Prozent der Jugendlichen erfüllen heute die internationalen Empfehlungen von mindestens 60 Minuten Bewegung pro Tag. Gleichzeitig nehmen Muskelkraft und Ausdauer im Durchschnitt deutlich ab.
Was passiert, wenn Kinder zu wenig Kraft entwickeln?
Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang von einer pädiatrischen Dynapenie – also einem altersuntypischen Kraftdefizit bei Kindern und Jugendlichen.
Diese Schwäche betrifft nicht nur die sportliche Leistungsfähigkeit, sondern auch die motorische Entwicklung, das Selbstvertrauen und langfristig die Gesundheit. Kinder mit geringer Muskelkraft bewegen sich weniger, verletzen sich häufiger und haben im Erwachsenenalter ein erhöhtes Risiko für Krankheiten wie Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
Ein gezieltes Krafttraining kann dagegen helfen, die körperliche Resilienz zu stärken, Gesundheitskosten zu senken und eine gesunde Entwicklung zu fördern.
Krafttraining als Erfolgsfaktor im Jugendsport
Auch im Leistungssport zeigt sich: Junge Sportlerinnen und Sportler mit Kraftdefiziten verletzen sich häufiger und erzielen geringere Erfolge.
Interessanterweise gilt die Griffkraft als Prädiktor für spätere sportliche Spitzenleistungen – bis hin zu olympischen Medaillenerfolgen.
Da der Rückgang der motorischen Bewegungskontrolle bereits ab etwa sieben Jahren einsetzt, sollte ein gezieltes Krafttraining frühzeitig – idealerweise vor der Pubertät – beginnen. Dabei steht nicht das Heben schwerer Gewichte im Vordergrund, sondern das spielerische und altersgerechte Fördern der Muskelkraft.
Was sagt die Forschung zur optimalen Trainingsdosierung?
Eine Zusammenfassung mehrerer Studien zeigt, unter welchen Bedingungen Jugendliche den grössten Kraftzuwachs erzielen können:
- Trainingsdauer: ca. 23 Wochen
- Umfang: 5 Sätze pro Übung
- Wiederholungen: 6–8
- Intensität: 80–89 % des 1RM (Maximalgewichts)
- Pause: 3–4 Minuten zwischen den Sätzen
Vor allem junge SportlerInnen zeigten mit dieser Dosierung deutliche Leistungssteigerungen.
Jugendliche, die beim 1RM-Backsquat mindestens 105 % ihres Körpergewichts bewältigen, haben zudem ein signifikant geringeres Risiko für Knieverletzungen – ein wichtiger Faktor, insbesondere in sportartenintensiven Jahren.
Krafttraining im Kindesalter: spielerisch und sicher
Bereits im Alter von 5 bis 7 Jahren kann ein gezieltes, kindgerechtes Krafttraining beginnen – selbstverständlich unter Anleitung. Geeignet sind Widerstandsübungen mit dem eigenen Körpergewicht, Medizinbällen, Elastikbändern oder Battle Ropes.
Durch spielerische Elemente wie Zirkeltrainings wird das Training nicht nur effektiv, sondern auch motivierend gestaltet. Ziel ist, Spass an Bewegung zu vermitteln und gleichzeitig Kraft, Koordination und Stabilität zu fördern.
Fazit: Früh beginnen, langfristig profitieren
Unsere Kinder und Jugendlichen bewegen sich immer weniger – mit weitreichenden Folgen für Gesundheit, Entwicklung und sportliche Leistungsfähigkeit.
Ein altersgerechtes Krafttraining bietet eine einfache, wissenschaftlich belegte Möglichkeit, dem entgegenzuwirken. Es stärkt Muskeln, Selbstvertrauen und Verletzungsresistenz – und legt damit den Grundstein für ein aktives, gesundes Leben.
Für jugendliche Athletinnen und Athleten ist es ausserdem ein entscheidender Baustein zur Verletzungsprävention und Leistungssteigerung.