Was tun bei Werferschulter?

 

Der Wurfvorgang ist eine hochkomplexe Bewegung, welche hohe Druck- und Zugkräfte verursacht. Die durch die Muskulatur produzierten Druckkräfte übersteigen häufig sogar 1000 Newton. Für das Schultergelenk bedeutet das Spitzenbelastungen.

Volleyballspieler, Handballspieler, Basketball- und Baseballspieler – sie sind besonders von der Werferschulter betroffen.

Anatomie

Die Schulter ist das beweglichste Gelenk des menschlichen Körpers. Dementsprechend anfällig ist dieses Gelenk auch für Verletzungen.

Der Oberarmkopf ist drei bis vier Mal grösser als die Gelenkpfanne. Er hat nur mit 25% seiner Fläche Kontakt zur Pfanne. Das Verhältnis zwischen Oberarmkopf und Pfanne gilt als wichtiger stabilisierender Faktor. Das Labrum, sozusagen die „Gelenklippe“, ist eine wulstige Umrahmung der Gelenkpfanne. Diese vergrössert die Gelenkfläche und sorgt so für mehr Stabilität. Der Kapsel-Band-Komplex stabilisiert das Schultergelenk passiv.

Sehr wichtig für die Stabilität des Schultergelenks ist die muskuläre Kontrolle. Vier wichtige stabilisierende Muskeln werden zusammen auch als Rotatorenmanschette bezeichnet. Deren Sehen bilden zusammen mit einem Band eine Sehnenkapsel.

In diesem Bild sind die Gelenkpartner gut ersichtlich. Das Labrum und die Rotatorenmanschette sind hier nicht oder nur teilweise abgebildet. Dies dient der besseren Veranschaulichung der Strukturen, die unter dem Labrum und den Muskeln liegen.

Was ist eine „Werferschulter“?

Bereits nach 40-60 Würfen kommt es zu einem veränderten Bewegungsverhalten der Schulter. Das Bewegungsausmass in Innenrotation wird etwas geringer und die Aussenrotation vergrössert sich.

Der Wurfvorgang beansprucht vor allem bei der Innenrotation die Schulterstrukturen an der vorderen Seite stark. Dadurch verlagert sich die Position der betroffenen Schulter bei häufigen Wurfbewegungen etwas weiter nach vorne und unten. Dies ist meist mit einer Verkürzung der hinteren Kapsel verbunden. Bis zu einem gewissen Grad sind diese Veränderungen beim Überkopfsportler leistungssteigernd. Wird aber eine gewisse Grenze überschritten, so kommt es zu Überlastungsschäden.

Grundsätzlich spricht man vom sogenannten glenohumeralen Innenrotationsdefizit (GIRD) (= Innenrotationsdefizit der Schulter), wenn auf der betroffenen Seite 20% weniger Innenrotation im Vergleich zur anderen Seite möglich sind.

Wie das genau aussieht sehen Sie hier in unserem #Video.

Folgen und Symptome einer Werferschulter

Die Veränderungen und Verkürzungen der hinteren Kapselbandstrukturen verursachen bei grossen Bewegungen eine Verlagerung des Oberarmkopfes nach oben hinten. Das heisst, dass sich das Gleiten und die Position des Schulterkopfes bei Bewegung verändert.

Dies kann zu einer Reihe von Problemen führen: Der Druck auf den oberen Gelenkanteil der Schulter steigt und der Raum zwischen Schulterdach und Schulterkopf wird kleiner. Das Labrum wird dadurch vermehrt belastet. Auf lange Sicht können sich #Labrumrisse bilden.

Die Verlagerung des Schulterkopfes verursacht bei der maximalen Ausholbewegung eine Einklemmung der Sehnen der Schultermuskulatur zwischen Schulterkopf und Labrum. Dies wird auch als internes Impingement bezeichnet.

Auf Dauer kann dies zu Sehnenentzündungen (Tendinitis), degenerativen Veränderungen oder bis zum Sehnenriss der Schultermuskulatur führen.

Die Kombination aus Stabilitätsverlust durch Überlastung der Sehnen sowie Labrumveränderungen und die extreme Aussenrotation führt zur Überlastung des vorderen Kapselbandapparates. Die Folge sind Instabilität und Abnützung.

Was tun bei Werferschulter?

Grundsätzlich ist das „glenohumerale Innenrotationsdefizit“ eine Diagnose die meist keine Schmerzen bereitet und deshalb auch nicht zwingend behandelt werden muss.

Um Folgeschäden zu verhindern, sollte aber vorbeugend die optimale Beweglichkeit und Stabilität des Schultergelenks erhalten werden. Grundsätzlich sollte der Trainer einer Sportmannschaft dies beachten. Möchten Sie weitere Informationen oder sind Sie Hobbysportler und trainieren alleine? Wir Physiotherapeuten im Physiozentrum beraten Sie gerne.

Sind bereits Folgeschäden – wie oben beschrieben- vorhanden, sollten Sie auf alle Fälle einen Arzt zur genaueren Abklärung aufsuchen.

Wie hilft die Physiotherapie bei Werferschulter?

Zunächst wird Ihr Therapeut die Innenrotation der Schulter erweitern. Hierfür gibt es einige passive Techniken, aber auch Dehntechniken für zuhause eignen sich gut.

Ein Beispiel wäre der „Sleeper stretch“. Eine Anleitung für diese Übung finden Sie in unserem Video.

Neben der Erweiterung des Bewegungsumfangs kann Ihr Physiotherapeut auch mögliche Dysbalancen der Muskulatur beurteilen. Meistens sind hier die Schulterblattstabilisatoren und die Rotatorenmanschette betroffen. Auch hier gibt es eine Vielzahl an aktiven Übungen, die in der Physiotherapie angewandt werden.

So kann die optimale Funktion und Position der Schulter erhalten bzw. erreicht werden.

Grundsätzlich gilt: Je früher die Therapie gestartet wird, desto besser. Optimal wäre, wenn eine Werferschulter schon vorbeugend von einem Physiotherapeuten überprüft und bei Bedarf behandelt wird. So können Folgeschäden vermieden werden.

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