Was tun bei Hexenschuss?

Was ist ein Hexenschuss?

Treten plötzlich Schmerzen im unteren Rückenbereich auf und können Sie sich nur mit grosser Mühe im Alltag bewegen? Dann könnte der Grund dafür „Hexenschuss“ heissen. Meist tritt dieser akut nach einer Bewegung auf, wie beim Drehen des Oberkörpers wenn man z.B. den schweren Blumentopf verstellt. Die Folge ist, dass sich Wirbelkörpergelenke verhaken bzw. blockieren, die Muskeln verspannen und verkrampfen und eventuell Nerven einklemmen. Es könnte aber auch sein, dass schon leichte Rückenschmerzen über einen längeren Zeitraum bestehen und sich durch einen oben genannten Vorfall plötzlich intensivieren.

Am meisten betroffen sind die 30-50-Jährigen, weniger die Älteren, da die Wirbelsäule im Alter steifer und unbeweglicher wird. Auswertungen zeigen, dass 60-80% der Bevölkerung im Leben an einem Hexenschuss leidet.

Welche Beschwerden deuten auf einen Hexenschuss hin?

Wie oben beschrieben treten die Schmerzen meistens im unteren Rücken auf. Manchmal zusätzlich im Gesäss, Oberschenkel oder Leiste. Bewegungen sind kaum möglich, schmerzhaft und steif. Es können starke Verspannungen und Krämpfe auftreten. Verspüren Sie Taubheit oder Kribbeln in den Beinen, sollten sie sofort einen Arzt aufsuchen, um einen möglichen Bandscheibenvorfall ausschliessen zu können. Mehr dazu lesen Sie hier: https://www.physiozentrum.ch/2017/09/bandscheibenvorfall/

Die Beschwerden können bis zu einer Woche andauern. Es kann aber auch mehrere Wochen gehen, je nach Symptomatik, Ausmass, allgemeinem Gesundheitszustand und Therapie.

Wie kann es zu einem Hexenschuss kommen?

Zunächst kann eine schnelle, unkontrollierte Bewegung die Beschwerden auslösen. Fehlhaltungen/ -stellungen der Wirbelsäule, eine muskuläre Ungleichheit im Rücken-/ Rumpfbereich, schlechte Sitzgewohnheiten oder ein passiver Lebensstil kann diese Problematik zusätzlich begünstigen. Auch Traumata im Kindesalter mit einhergehender Vorbelastung des Beckens und Kreuzbeins können sich im Alter bemerkbar machen und bei einer Bewegung das Fass zum Überlaufen bringen- sprich einen Hexenschuss verursachen.

Wie finde ich heraus, ob ich einen Hexenschuss erlitten habe?

Der Arzt oder Therapeut wird Ihnen einige Fragen stellen. Wie sich Ihre Schmerzen anfühlen, welche Bewegungen sie auslösen und wann sie das erste Mal aufgetreten sind, sind nur einige Beispiele. Anschliessend wird er Sie körperlich untersuchen. Ein MRT, Ultraschall oder Röntgenbild ist dann oft nicht mehr notwendig. Gerne werden unnötige Strahlungen für den Körper vermieden.

Was kann mir helfen? Physiotherapie?

Eine kurzzeitige Schonung von maximal drei Tagen ist indiziert, wenn die Beschwerden sehr stark sind. Das bedeutet nicht, dass sie drei Tage im Bett liegen sollten. Im Gegenteil: Bewegung ist sehr wichtig. Meiden sie lediglich das Heben von schweren Lasten, langes Liegen, Sitzen oder Stehen und wechseln sie häufig ihre Körperposition. Gehen Sie langsam und locker spazieren oder fahren Sie Velo. Generell sollten Sie in den ersten Tagen im Alltag nicht über ihre Schmerzgrenze hinausgehen. Gegen die Muskelverspannungen können Sie Wärme in Form eines Kirschkernkissens, Salbe oder eines warmen Bades anwenden.

Ausserdem können Ihnen folgende Übungen helfen:

Entlastung für den unteren Rücken

– Legen Sie sich für einige Minuten auf den Rücken und winkeln sie die Beine an. Am besten legen Sie die Unterschenkel auf einen Stuhl, sodass die Beine rechtwinklig angehoben sind.

Entlastungsstellung für die Bandscheiben

– Legen Sie sich auf den Bauch und stützen Sie sich auf die Hände ab. Heben Sie den Oberkörper langsam zehn Mal hintereinander an. Wiederholen Sie dieses drei Mal. Falls ein Schmerz auftritt, sollten Sie die Übungen trotzdem durchführen, gehen Sie aber nicht über die Schmerzgrenze.

Zusammen mit einem Physiotherapeuten werden Sie einen Behandlungsplan erstellen. Dabei ist es wichtig, nicht nur die Symptome zu behandeln, sondern auch die Ursache zu beheben und präventiv zu arbeiten. Es werden folgende Massnahmen durchgeführt:

Zunächst spielt die Aufklärung eine grosse Rolle: bei einem Hexenschuss kommt es auf struktureller Ebene zu keinem Schaden bzw. Verletzung. Es braucht mit Ihrer zusätzlichen Hilfe meist nur wenige Tage bis es Ihnen wieder geht wie vorher.

Ausserdem schaut sich der Therapeut Ihre Körperhaltung und das Ausführen von gewissen Alltags- und Berufsaktivitäten an. Eine rückenschonende Ausführung kann viele Beschwerden reduzieren und vor allem verhindern.

Die Therapie ist überwiegend aktiv gesteuert. Verspannte Muskeln werden gedehnt und schwache gekräftigt. Ein spezielles Rücken-Bauchtraining hilft Ihnen, dem Problem entgegen zu steuern. Auch im Alltag ist eine ausreichende Bewegung notwendig. Die Wirbelsäule braucht eine stetige Be- und Entlastung. Gute Aktivitäten in der Freizeit sind Trampolin springen zum Lockern und gleichzeitig Stärken des Halteapparats, Schwimmen, Velofahren, Yoga, Entspannungsübungen und eine Rückenschule.

Ein weiterer Aspekt, der bei bestehenden Beschwerden berücksichtigt werden sollte, ist die Ernährung. Der Mensch sollte sich ausgewogen und gesund ernähren, sowie genügend Wasser pro Tag trinken.

Fazit

Am besten ist, wenn Sie schon frühzeitig mit dem Vorbeugen von Rückenschmerzen beginnen, bevor es überhaupt zu einem Hexenschuss kommen kann. Dazu gehören zum Beispiel die richtige Sitzhaltung bei der Arbeit, die Ergonomie im Haushalt, die regelmässige Bewegung und das richtige Muskelkrafttraining. Fragen Sie bei uns im Physiozentrum nach.

Kommt es dann aber doch zu einem Hexenschuss, sollte dieser nach wenigen Tagen wieder abklingen. Falls die Beschwerden länger bestehen, empfehlen wir spätestens jetzt die Aufnahme der Physiotherapie, um ihr Beschwerdebild zu behandeln und eine Wiederkehr zu vermeiden.

Gerne verweisen wir auf diesem Wege auf den Beitrag von Marlene Anderegg, die im Zentrum Basel ein Interview mit der Zentrumsleitung Saskia Bohn zu diesem Thema führt.https://www.physiozentrum.ch/2015/06/was-tun-bei-einem-hexenschuss/

 

 

 

 

 

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