Übertraining: Ist weniger manchmal mehr?

Real-Madrid-Spieler verlässt verletzt das Feld

Die besten Fussballer Europas geben momentan in Frankreich Vollgas. Die Fans fiebern fleissig mit und haben kaum eine Ahnung davon, wie sehr die Europameisterschaft die Spieler belastet. Erst gerade kämpften sie noch um den Pokal in den nationalen Meisterschaften, für einige ging das Training nach der Champions League sogar nahtlos weiter.

Während des Champions League Finals vor knapp drei Wochen fiel mir auf, wie oft die Verlängerung unterbrochen werden musste. Nicht etwa weil die Spieler oft gefoult oder Zeit geschunden hätten. Nein, aussergewöhnlich viele Spieler litten schlicht unter Krämpfen oder verletzten sich bei Zweikämpfen.

Belastungsgrenze erreicht

„Wie kann es sein, dass diese durchtrainierten Profisportler unter solch körperlichen Problemen leiden?“ fragte mich ein Freund, mit dem ich mir das Spiel ansah. Für mich war klar: Nach 35 bis 40 Pflichtspielen wären die Spieler eigentlich bereits an ihrer Belastungsgrenze angelangt. Trotzdem spielten sie weiter.

Krämpfe und mehr Verletzungen sind typische Folgen vom sogenannten „Overtraining“, zu Deutsch „Übertraining“. Es beschreibt eine langfristige Leistungsminderung nachdem man begonnen hat, häufiger oder intensiver zu trainieren. Der Organismus ist also überlastet. Manchmal auch obwohl man sich zwischen den Trainingsphasen genug Erholung gönnte.

Auch Freizeitsportler betroffen

Zahlen zur Betroffenheit existieren kaum. Laut Schätzungen leiden aber 20 bis 60 Prozent aller Athleten mindestens einmal in ihrer Karriere unter „Overreaching“. So nennt man ein zumindest leicht ausgeprägtes Overtraining. Sicher ist aber: Overtraining kann auch Freizeitsportler treffen, die sich sehr intensiv auf Wettkämpfe vorbereiten.

Bis heute wurde jedoch kein Faktor – beispielsweise Blut – gefunden, der eine verlässliche Diagnose zulassen würde. So wird über ein Ausschlussverfahren diagnostiziert. Ein Overtraining ist wahrscheinlich, wenn folgende Symptome auftreten:

  • Müdigkeit, Leistungsabfall oder Stagnation, obwohl man das Training über längere Zeit intensiviert hat (zwei Wochen oder länger).
  • Lustlosigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Stimmungsschwankungen oder gar depressive Verstimmungen: Sie können Anzeichen dafür sein, dass der Körper dringend eine Ruhepause braucht.
  • Hoher Blutdruck, niedriger Puls sowie häufigere Verletzungen oder Infektionen sind weitere, wenn auch nicht sehr spezifische Symptome.
  • Stress: Egal ob körperlicher, psychischer oder sozialer Natur – die Literatur geht davon aus, dass Stress erheblichen Einfluss auf Overtraining hat.

So hilft Physiotherapie

Falls Sie an Overtraining leiden, sollten Sie sich in jedem Fall von einem Sportarzt beraten lassen. Meist folgen darauf Wochen oder Monate totaler Ruhe oder stark reduzierten Trainings. Gleichzeitig wird das Trainingsprogramm von einer Fachperson – etwa einem auf Sport spezialisierten Physiotherapeuten – angepasst.

Ein Sport-Physiotherapeut hilft Ihnen auch, es gar nicht so weit kommen zu lassen. Ein gezielter Trainings- und Ernährungsplan hilft Ihnen nicht nur dabei, Verletzungen zu vermeiden sondern auch, Ihre gesteckten Ziele zu erreichen. Achten Sie auf einen optimalen Wechsel zwischen Belastung und Erholung, ausreichend Schlaf, eine ausgewogene Ernährung und wenig Alltagsstress.

Tipp: Nur wenige sind sich bewusst, dass Sport die Stresshormone ansteigen lässt. Um Stress abzubauen, empfehlen sich also eher ruhige Sportarten wie Yoga oder Pilates sowie autogenes Training.

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