Was tun bei einem Bandscheibenvorfall?

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Ein plötzlicher, stechender Schmerz im Rücken, den Schultern, Armen oder Beinen. Hinzu kommt ein Kribbeln, Taubheit oder ein Schwächegefühl: Das sind die klassischen Symptome eines Bandscheibenvorfalls. Oft sind die Schmerzen so stark, dass viele versuchen, sich möglichst nicht zu bewegen – und sich so verkrampfen.

Männer leiden doppelt so oft an einem Bandscheibenvorfall wie Frauen. Es sind vor allem Jüngere, zwischen 30 und 50 Jahren. Manchmal haben Betroffene auch keine Schmerzen und sie entdecken den Bandscheibenvorfall (auch Diskushernie genannt) durch Zufall. Und dann – operieren oder therapieren? Das Wichtigste in Kürze:

Das sind die Ursachen eines Bandscheibenvorfalls 

Eine Bandscheibe ist ein elastischer Stossdämpfer zwischen den Wirbelkörpern, der aus einem Faserring und einem Gallertkern (eine Art Wasserkissen) besteht. Den Bewegungen des Körpers passt sich die Bandscheibe nicht nur an, sie ist sogar auf sie angewiesen. Denn nur durch Zug- und Druckkräfte wird sie mit den nötigen Mineralien und Flüssigkeit versorgt.

Überlastet man den Faserring wiederholt, verschleissen die Bandscheiben. Etwa, indem man gewisse Positionen zu lange und ungünstig hält. Klassische Beispiele sind langes, ungünstiges Sitzen am PC oder Gartenarbeit in gebückter Haltung. Auch das Heben und Tragen von Gewichten mit einer schlechten Haltung kann den Faserring überlasten, da der Druck auf ihn bis auf das Achtfache des Körpergewichts steigen kann.

Meist ist es eine Kombination verschiedener Überbelastungen, die den Faserring schlussendlich zum Reissen bringen.

So entsteht ein Bandscheibenvorfall

Entstehen Risse im Faserring, kommt es zu einer sogenannten Protrusion. Das ist eine Vorstufe des Bandscheibenvorfalls, wobei sich die Bandscheibe über die Wirbelkante hinauswölbt. Hier kommt die Physiotherapie zum Zug. Mithilfe von gezielten Übungen, die unter anderem den Rücken stabilisieren, kann das Gewebe ganz einfach zurückverlagert werden. Teilweise gehen die Beschwerden auch von selbst weg.

Reissen aber alle Schichten des Faserrings, dringt der Gallertkern Richtung Spinalnerv (Rückenmarknerv). Dies nennt man Prolaps. Nun kann der Bandscheibenvorfall zwei Formen annehmen: Dringt der Prolaps mittig nach hinten raus, werden alle Spinalnerven gequetscht. In der Lenden-Wirbelsäule kann das beispielsweise dazu führen, dass man den Stuhl- oder Harnabgang plötzlich nicht mehr richtig kontrollieren kann. Möglich ist auch, dass man an den Innenseiten der Oberschenkel und im Genitalbereich auf einmal weniger oder gar keine Empfindungen mehr hat. Auch Lähmungen beziehungsweise abgeschwächte Muskeln können die Folge sein. Ist das der Fall, muss sofort operiert werden.

In den allermeisten Fällen aber dringt der Prolaps nicht mittig, sondern seitlich über die Wirbelkante hinaus. So wird höchstens ein einzelner Spinalnerv irritiert. Auch hier kommt es zu Taubheit und einer Schwächung der Muskulatur. Meist nimmt der Patient unbewusst eine Schonhaltung ein, um den Spinalnerv mechanisch zu entlasten.

In neun von zehn Fällen kommt es in der Lendenwirbelsäule zu einem Bandscheibenverfall. Weniger häufig ist die Halswirbelsäule betroffen, sehr selten die Brustwirbelsäule.

So hilft Physiotherapie

Eine Operation ist nur dann angesagt, wenn die Muskulatur ausfällt oder Lähmungen bestehen. Oder auch, wenn starke Schmerzen über mehrere Wochen anhalten. In acht von zehn Fällen ist jedoch keine Operation nötig. Mit Physiotherapie können die Beschwerden langfristig gelindert werden:

1) In der Akutphase, wenn der Schmerz noch frisch und sehr stark ist, müssen Therapeut und Patient Positionen oder Techniken finden, die den Schmerz lindern. Manchmal ist es schon hilfreich, wenn man den Rücken am richtigen Ort mit einem Tuch unterlegt und so die Wirbelsäule entlastet. Unterstützend wirken sanfte Massagen oder aktive (etwa in Seiten- oder Sitzlage das Becken vor- und zurückkippen) und passive (beispielsweise leichter Druck auf die Wirbelsäule durch Manualtherapie) Bewegungen des Rückens im schmerzfreien Bereich. Dies erhöht den Stoffwechsel im betroffenen Gebiet, womit Schadstoffe ab- und frische Nährstoffe zugeführt werden.

In der Akutphase klärt der Therapeut den Patienten auch über Dos und Don’ts auf. Eine komplette Schonung des Rückens ist kaum je angebracht, hohe Druckbelastungen auf die Bandscheiben sollten aber unbedingt vermieden werden. Der Patient erfährt also, wie er den Rücken richtig be- und entlastet.

2) Sind die extremen Schmerzen unter Kontrolle gebracht worden, muss analysiert werden, ob und welche Muskulatur geschwächt oder besonders verspannt ist. Haben die einen Muskeln zu viel, die anderen zu wenig Spannung, kommt es zu einem muskulären Ungleichgewicht. Das bedeutet, dass die Muskulatur den Rücken nicht in allen Situationen stabilisieren kann und die einzelnen Wirbelgelenke nicht mehr optimal spielen können. Der Therapeut lockert demzufolge die Muskulatur, macht die Wirbelgelenke mittels Manualtherapie wieder beweglich und stärkt die geschwächten Muskeln durch aktive Therapie. Der Patient soll dabei spüren lernen, wo er wann anspannen muss.

3) Damit es keine Rückfälle gibt, muss zum Schluss die Rumpfmuskulatur aufgebaut werden. Hierbei wird berücksichtigt, welchen Belastungen der Patient in seinem Alltag ausgesetzt ist. So können potenzielle Gefahrensituationen – beispielsweise das Heben schwerer Gewichte – gezielt trainiert werden.

4) Ein Bandscheibenvorfall ist eine sogenannt strukturelle Verletzung, nach der wie üblich die Wundheilung eintritt. Konkret bedeutet das, dass es bis zu einem Jahr dauern kann, bis der Bandscheibenvorfall endgültig geheilt ist. Der Heilungsprozess ist jedoch von diversen Faktoren abhängig und von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

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