Wirbel einrenken: Warum das Unsinn ist

Comic-Bild einer Frau, die sich mit beiden Händen den Rücken stützt.

«So werden verschobene Wirbel eingerenkt», war letzthin nicht nur in einer Publireportage im St.Galler Tagblatt zu lesen; auch das Internet ist voller Erklärungen, wie man angeblich Becken «gerade stellt» oder den Atlas «gerade rückt». Das klingt zwar alles fantastisch, ist aber grundfalsch. Wäre dies nötig, müsste man die ganze Bevölkerung therapieren, da wir alle ein bisschen «schräg» sind.

Wirbelgelenke renken nicht einfach aus. Sie verklemmen, wodurch ihre Beweglichkeit vorübergehend eingeschränkt wird. Diese Einschränkung (auch: «Blockade» oder «Dysfunktion im Gelenk») erfolgt innerhalb des natürlichen Bewegungsspielraums. Im medizinischen Sinn ist das Gelenk also nicht «ausgerenkt». Wirbel kann man demzufolge weder «einrenken», noch «in die richtige Richtung drücken».

Ist das Gelenk verkeilt, setzt es Impulse frei mit der Nachricht: «Achtung, hier ist etwas nicht in Ordnung.» Ein Impuls geht zum Gehirn, einer zum Rückenmark (unsere Schaltzentralen für Schmerzempfindung, Gespür und Bewegung). Das Rückenmark sendet der Muskulatur darauf hinab einen Rückimpuls, was die Spannung des Muskels erhöht, sodass das Gelenk geschützt wird. Dadurch kann sich der Betroffene allerdings noch schlechter bewegen und der Schmerz wird noch stärker, was den Betroffenen zusätzlich einschränkt.

Traumata, Fehlhaltungen und zu viel Sport als Ursachen

Ausgelöst werden kann eine Blockade aus vielerlei Gründen:

  • Trauma: Etwa, wenn man einen Gegenstand ruckartig hebt und gleichzeitig merkt, dass etwas einklemmt.
  • Viel Husten: Dabei kann ein Rippengelenk einklemmen.
  • Entspannung im Schlaf: Entspannt sich die Muskulatur beim Schlafen total, kann das Gelenk in der Halswirbelsäule verklemmen. In diesem Fall kann man am Morgen kaum mehr den Hals drehen.
  • Viel oder zu viel Sport
  • Immer gleiche Bewegungen oder die immer gleiche Sitzhaltung, etwa bei der Arbeit.
  • Angeborene Fehlhaltung: Sind beispielsweise die Beine unterschiedlich lange, richtet sich der Körper so aus, dass der Blick trotzdem gerade in die Ferne sehen kann. Dies kann zu einem einseitigen Hochstand des Beckens führen, einer Anpassung der Wirbelsäule (Skoliose), einem einseitigen Schulterhochstand oder einer Kopf-Schrägstellung.

Allgemein bedingen Schräghaltungen eine Anpassung der Muskulatur an das schräge Gerüst, sodass sie rechts und links nicht ganz ausgeglichen beansprucht wird. Dies betrifft uns alle bis zu einem gewissen Grad, da niemand perfekt gerade ist. Eine Schrägstellung alleine ist also selten ein Problem.

So löst man Blockaden

Um die Blockade zu lösen, muss die Physiotherapeutin zuerst herausfinden, wo sich die Blockade befindet. Auf der Höhe des betroffenen Segments löst sie die Muskulatur und versucht, mit Druck auf die Fortsätze (siehe Bild «Bewegungssegment»), das Wirbelgelenk wieder in die eingeschränkte Richtung zu bewegen.

Bei sehr hartnäckigen Blockaden (meist durch ein Trauma ausgelöst) wird ein ruckartiger Impuls auf die seitlichen Gelenkfortsätze benötigt – eine Manipulation, mit dem berühmten «Knacken» als Resultat. «Knacken» alleine führt jedoch bei den allerwenigsten Patienten zum Ziel. Wie bereits erwähnt, muss zusätzlich die Muskulatur gelöst werden. Wichtig ist aber auch, die Ursache der Blockade herauszufinden – schliesslich soll sie nicht noch einmal auftreten.

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