Nützt Salben?

Schnapswasser, Pferdesalbe, DUL-X, Perskindol, Voltaren Gel, etc. Keine Studie belegt, dass es die Wirkstoffe in Salben sind, die für deren Wirksamkeit verantwortlich ist.  

Die Patienten fragen mich in der Praxis immer wieder, ob Crèmes nützen. Denn viele finden, es hilft ihnen, etwas „einzuschmieren“. Ist das nur ein Gefühl, oder nützt Salben tatsächlich?

Die verschiedenen Hautschichten, durch die eine Salbe oder deren Wirkstoff (zum Beispiel Diclofenac im Voltaren Gel) beim Auftragen dringen sollte, stellen das erste Hindernis dar. In einigen Untersuchungen wurde festgestellt, dass die Haut nur etwa 6% aufnehmen kann. Dazu kommen die vielen kleinen Hautgefässe. Sie nehmen den geringen Anteil, der tatsächlich durch die Hautschichten durchgedrungen ist, auf und transportieren ihn ab. Bis der Wirkstoff oder die Crème an die Muskelschicht gelangen könnte ist bestimmt nichts mehr übrig. Salben bei Gelenk-, Arthrose- oder Meniskusschmerzen hilft noch weniger. Diese Strukturen liegen noch viel tiefer. Sie sind umgeben von Bändern, Kapselstrukturen und Knochen.

Dul-X Plakatkampagne

Es gibt keine Studie, die belegt dass der „Wirkstoff“ in Salben wirkt.

Der positive Effekt des Eincrèmens hat ganz andere Gründe. Zum einen ist dies der sogenannte sensual touch. Die schmerzende Stelle wird berührt. Noch effizienter, wenn dies jemand anders tut. Über die Hautrezeptoren werden im Gehirn verschiedenste Prozesse gestartet, die unter anderem Schmerzlinderung verursachen. Nachzuvollziehen ist dies wenn man an Massage denkt: Berührung trägt einen grossen Teil zu deren Nutzen bei. Fehlender sensual touch  – zum Beispiel bei alleinstehenden Menschen – kann ein grosser Stressfaktor für unseren Körper sein.

Zum anderen haben viele Salben oder Gels eine kühlende oder wärmende Wirkung. Wird die eingeriebene Stelle kalt, warm oder fängt sie an zu brennen, lenkt dies, vereinfacht gesagt, vom Schmerz ab. Kurzzeitig sendet das Hirn nicht nur den Schmerzimpuls – die empfundenen Kälte oder Wärme „überlagern“ ihn.

Wenn jemand mit Erfolg Salben oder Gels anwendet, sollte er deshalb unbedingt weitermachen. Hauptsache, es hilft. Wie genau, ist nicht entscheidend. Fragt mich ein Patient ob es gut ist wenn er etwas einschmiert, erkläre ich ihm genau dieses Prinzip und rate, er soll es ausprobieren: Nützt es nichts, so schadet es nichts…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

 

1 Kommentar

  • Nützt es nichts, so schadet es nichts… Falsch! Es schadet, da die Inhaltsstoffe schlussendlich in die Umwelt und im speziellen ins Wasser gelangen, die unsere Kläranlagen nicht entfernen können. Zweitens schadet es dem Bankkonto, Vermögen des Irrgläubigen Anwenders.