Bindegewebe: Leistungsreserve und Verletzungsschutz

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In Gymnastikübungen, die an Tai-Chi oder Yoga erinnern, schlummern Leistungspotential und Verletzungsschutz.

Faszien durchziehen unseren ganzen Körper und geben ihm seine Struktur. Sie sind an den meisten Vorgängen beteiligt. Dennoch wurden sie in der westlichen Welt lange vernachlässigt, in Wissenschaft und Medizin sogar oft entfernt, um Muskulatur und Sehnen besser sehen zu können. (Wie man mit Faszien sehr effektiv therapiert, erklärt Matthias Bittorf in seinem Beitrag über das Fasziendistorsionsmodell).

Das weit verzweigte Körpernetz besteht aus einer Bindegewebsstruktur, zu der Bänder, Sehnen sowie Gelenkkapseln gehören, und setzt sich im Wesentlichen aus Eiweiss-Bausteinen, Kollagen und Wasser zusammen. Die Fasziengeflechte reichen tief in den Körper hinein und kommen in unterschiedlichsten Ausprägungen vor. Man kann sie sich wie das feine Häutchen einer Orange vorstellen, das den ganzen Körper durchzieht: wir stecken sozusagen in einem Faszien-Ganzkörperanzug.

Faszien reagieren auf Belastungen – so oder so. Wer regelmässig trainiert, macht sie stark, belastbar und elastisch. Wer viel sitzt oder andere gleichförmige Haltungen einnimmt, der bildet sogenannte Cross-Links, ungeordnete Querverbindungen. Diese setzen die Elastizität herab, erschweren das Gleiten und führen zu Verklebungen. In Gymnastikübungen, die an Tai-Chi oder Yoga erinnern, schlummern Leistungspotential und Verletzungsschutz. Wecken wir sie!

Faszien

Man kann sie sich die Faszien wie das feine Häutchen einer Orange vorstellen, das den ganzen Körper durchzieht.

Faszien beeinflussen unser Muskelnetzwerk – und umgekehrt. Sie arbeiten nie isoliert, sondern in Zugkraftlinien, die den ganzen Körper durchlaufen. Man spricht von einer Zusammenarbeit in „myofaszialen Ketten“. Durch den sogenannten Katapulteffekt können diese Ketten enorme Kräfte entwickeln; Werden sie gedehnt, speichern sie kinetische Energie, die sie in Form einer Rückfederung wieder abgeben. Stemmt ein Gewichtheber beispielsweise 350 Kilogramm, beträgt der aktive Anteil der Faszien 80 Prozent.

Faszien sind zudem dicht besiedelt mit Schmerzrezeptoren und den für die Wahrnehmung der Stellung und Bewegung des Körpers im Raum wichtigen Propriozeptoren.

Myofasziale Ketten

Faszien und Muskeln arbeiten in „myofaszialen Ketten“ zusammen.

Davon haben sie sogar sechsmal mehr als unsere Muskeln. Faszien sind nicht an allen körperlichen Problemen schuld. Da sie jedoch zu allen Strukturen eine Verbindung haben, kann man jedoch zumindest von einer Beteiligung der Faszien ausgehen.

Ein gesundes und leistungsstarkes Fasziennetz lässt es leistungsfähiger und weniger anfällig für Verletzungen werden. Faszien lieben es, gedrückt, geschoben, gezogen, verdreht und bewegt zu werden. Dabei helfen spezielle Übungen oder ein Besuch bei einem dafür ausgebildeten Physiotherapeuten.

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