Fehlt es bald an Physiotherapeuten?

Eine Studie der ZHAW und des Berner Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien BASS hat den zukünftigen Bedarf an Fachpersonen in den Gesundheitsberufen Hebamme, Ergo- und Physiotherapie untersucht. Fazit: Spätestens ab 2020 zeichnet sich demnach in den Bereichen Ergo- und Physiotherapie sowie bei den Hebammen ein Versorgungsnotstand ab. In allen drei Berufsgruppen sei der Bedarf an Personal am Wachsen. Bis 2025 werde es 23 Prozent mehr Physiotherapeuten brauchen. Hauptgründe für den Mehrbedarf seien nebst dem Bevölkerungswachstum die Zunahme von chronischen Erkrankungen und die demografische Alterung.

Was ist für den Personalmangel verantwortlich? Den Grund dafür sieht die Studie in einem Mangel an Ausbildungsplätzen. „Im Grunde genügen die Ausbildungskapazitäten schon heute nicht mehr“, lässt sich Leiter Departement Gesundheit der ZHAW Peter C. Meyer in einem Communiqué zitieren. Rund jede dritte Gesundheitsfachperson kommt aus dem Ausland und hat dort auch ihr Diplom erworben. „In Zukunft müsste die Schweiz noch viel mehr ausländisches Personal rekrutieren.“  Dies sei aus politischen, wirtschaftlichen und ethischen Gründen aber nicht möglich.

Warum bilden die Fachhochschulen dann nicht einfach mehr Leute aus? Diese Frage hat 10vor10 einer Vertreterin der Fachhochschule Nordwestschweiz gestellt. Ihre Begründung: Das Nadelöhr seien die Praktikumsplätze, die nicht in unbegrenzter Zahl zur Verfügung stünden, weshalb man auch nicht unbegrenzt Leute ausbilden könne.

Die Begründung erstaunt. Wir vom PHYSIOZENTRUM sind bisher noch kein einziges Mal von einer Fachhochschule angefragt worden, ob wir Praktikumsplätze anbieten. Das liegt wohl daran, dass die Fachhochschulen ihre Studenten für die Praktika einzig und allein in Spitäler schicken.

Wir haben die Zürcher Fachhochschule ZHAW per Twitter angefragt, wo die Gründe dafür liegen. Die Antwort:

Aha – das klingt danach, dass nicht die Arbeitgeber zu wenig Praktikumsplätze anbieten, sondern dass der Staat versagt hat.

 
Das klingt sehr gut. Ob es sinnvoll ist, dass angehende Physiotherapeuten nur im Spital Berufserfahrung sammeln, darf aus unserer Sicht nämlich bezweifelt werden. Der Grossteil der physiotherapeutischen Versorgung geschieht ambulant, in privaten Praxen. Es gibt zwei hervorragende Gründe, warum angehende Physios den Alltag in der Praxis kennenlernen sollten:
    1. Sie werden mit einer hohen Wahrscheinlichkeit später selbst in einer Praxis arbeiten.
    2. Der Wettbewerb zwingt die Praxen zu Höchstleistungen – davon können die Patienten nur profitieren. Den Druck, besser zu sein als die Konkurrenz, wird es in den (meist staatlichen) Spitälern nie geben.

Doch ob mehr Ausbildungsplätze reichen, um den Personalbedarf von morgen zu decken? Mindestens so wichtig dürften andere Faktoren sein, wie eine Physiotherapeutin aus Zürich feststellt:

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