Bandscheibenvorfall: Ist eine Operation Sinnvoll?

Bandscheibenvorfall

‚Wann lohnt sich eine Operation?‘ werden wir Physiotherapeuten immer wieder gefragt. In den meisten Fällen nicht, lautet die Antwort. 40 Prozent der Bevölkerung westlicher Industrienationen leidet mindestens einmal im Leben an ernsthaften Rückenschmerzen. Fällt das Laufen schwer, werden Liegen und Sitzen zur Qual, und Bücken geht gar nicht mehr, spricht man in der Medizin von „Ischialgie“ – deren Ursache ist oft ein Bandscheibenvorfall. Was viele nicht wissen, ist, dass dies nicht notwendigerweise einen operativen Eingriff erfordert.

„Bis zu 90 Prozent der symptomatischen Bandscheibenvorfälle können durch eine konservative Therapie beherrscht werden“, ist in der neuen Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurochirurgie zum Bandscheibenvorfall der Lendenwirbelsäule zu lesen. Wie Die Welt schreibt, hat der Münchner Rückenspezialist Martin Marianowicz befunden, dass bei seinen Patienten, die einen Bandscheibenvorfall hatten, 80 Prozent der Operationen überflüssig gewesen sind.

Bandscheibenvorfall

Ein Bandscheibenvorfall kann Schmerzen in den ganzen Körper ausstrahlen.

Warum wird trotzdem so oft operiert? In Deutschland werden falsche finanzielle Anreize bei der Vergütung für Ärzte vermutet. Es darf angenommen werden, dass Ähnliches für die Schweiz gilt. Andererseits sind die Patienten oft nicht bereit, die Geduld für eine konservative Therapie aufzubringen. Nach einer Operation sei man schneller auf den Beinen, allerdings werde mit der OP „der Verschleiss nicht angegangen“, so Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie e.V. (DGOOC). Deshalb könne der Schmerz nach einem operativen Eingriff andauern oder sich sogar verschlimmern. Dies, weil sich an der Nervenwurzel Vernarbungen bilden.

Während der Nutzen von operativen Eingriffen also umstritten ist, bergen konservative Therapien – wie Physiotherapie – kein Komplikationsrisiko und sind zudem kostensparend. Konservativ bedeutet nicht, abzuwarten und im Bett zu liegen. Denn dadurch wird die Rückenmuskulatur geschwächt. Zur Normalisierung der Muskulatur kann Massage helfen. Aktive Therapien beinhalten Entspannungsübungen, Bewegungstherapie im warmem Wasser oder Physiotherapie. Um die Belastbarkeit der Muskulatur zu verbessern werden dabei insbesondere isometrische Spannungsübungen gemacht. Grundsätzlich werden in 6 bis 8 Wochen deutliche Verbesserungen erreicht. Je motivierter der Patient, desto effektiver ist die Therapie.

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